Archiv für den Monat: Dezember 2018

Malerei zwischen den Extremen. Martha Jungwirth

Abstrakte Malerei ist frei von jeglichem Bezug zur Gegenständlichkeit, so die Definition. Sie beschränkt sich auf Formen und Farbkombinationen, die ganz der inneren Gesetzmäßigkeit des Gemalten folgen, sie ist, sofern sie nicht geometrisch-konstruktivistischen Kompositionsprinzipien folgt, ganz Ausdruck der Körperlichkeit und Befindlichkeit des Künstlers. Doch ist sie auch frei von Bezügen zur Realität? Das Werk der österreichischen Malerin Martha Jungwirth ist seit Jahrzehnten geprägt von dieser Fragestellung. In einer Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg, der bislang umfassendsten dieser ohnehin erst seit rund zehn Jahren von der Kunstöffentlichkeit entsprechend gewürdigten Künstlerin, kann man dieser Dichotomie nachgehen.

Ohne Titel (aus der Serie „Regentinnen des Altmännerwohnheims. Frans Hals, 1664), 2014, Öl auf Papier auf Leinwand

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Die Welt als Computertraum: Prokofjews Die Liebe zu drei Orangen an der Staatsoper Stuttgart

Soll das Theater das Leben widerspiegeln oder soll es eine Sphäre sein, die dem realen Leben enthoben ist – so lautete die Streitfrage für die russischen Bühnen um 1900. Auf der einen Seite plädierte Konstantin Stanislawski für einen Psychorealismus und eine möglichst lückenlose Identifizierung des Schauspielers mit seiner Rolle, auf der anderen Seite sah sein Schüler Wsewolod Meyerhold im Theater eine Kunstwirklichkeit aus den Elementen Maske, Geste, Bewegung und Intrige. Daher war es kein Wunder, dass er für die Bühne ein Märchenspiel von Carlo Gozzi neu bearbeitete, jenem venezianischen Dramatiker, der für ein Theater der Fantasie und Märchenhaftigkeit eintrat: Die Liebe zu den drei Orangen. Sergej Prokofjew machte daraus eine Oper und griff in seiner Musik alle theoretischen Positionen Meyerholds auf. Für die Staatsoper Stuttgart hat der Filmregisseur Axel Ranisch diese „Blüte des artistischen Wesens“ (Opernkritiker Oscar Bie 1927) in moderner Ästhetik inszeniert, die in neuer Übersetzung einen Artikel verloren hat: Die Liebe zu drei Orangen.

Carole Wilson (Fata Morgana), Michael Ebbecke (Celio), Mitglieder des Staatsopernchores und der Statisterie der Staatsoper Stuttgart. Foto: Matthias Baus

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Abstraktion im Dorfleben. Der Maler Jakob Bräckle

Dass Landschaftsbild und abstrakte Kunst kein Widerspruch sein muss, hat Wassily Kandinsky gezeigt. Von diesem Wegbereiter und Theoretiker der abstrakten Kunst gibt es Bilder von den Alpen, auf denen die Gipfel immer mehr geometrisch reduziert wurden, bis nur noch Dreiecke und Spitzen übrig blieben. Dass auch der Biberacher Maler Jakob Bräckle – allerdings Jahrzehnte nach Kandinsky – zu einer abstrakten Malerei fand, war weniger selbstverständlich, begann er doch als getreuer Chronist seiner ländlichen Umgebung. In einer umfassenden und klar gegliederten Retrospektive im Biberacher Museum kann man nachvollziehen, warum dieser Weg eingeschlagen werden konnte.

Sommer, 1945

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