Archiv für den Monat: Juni 2017

Synthesen von Gegensätzlichkeiten: Sean Scully und Liliane Tomasko

Zwei grundlegend unterschiedliche Ausdrucksformen bestimmen die Kunst der Moderne. Auf der einen Seite ist es der individuelle Pinselstrich, Ausfluss der Gestimmtheit des Künstlers, ob er nun den abstrakten Expressionisten wie de Kooning zuzurechnen ist oder den Actionpaintern wie Jackson Pollock – das Bild letztlich als Ausdruck der Künstlerpsyche. Auf der anderen Seite die Abwesenheit jeglicher Subjektivität, Dominanz der Geometrie, Reduktion auf wenige Linien und Farben. Eine Ausstellung mit Werken des Künstlerpaars Liliane Tomasko und Sean Scully im KUNSTWERK, dem Museum der Privatsammlung Klein in Eberdingen, zeigt beide Positionen und demonstriert, dass sie einander nicht ausschließen.

Sean Scully. Diagonal Inset, 1973 © Sean Scully. Foto: Christoph Knoch

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Benjamin – Gion Antoni Derungs‘ Josephslegende bei der Jungen Oper Stuttgart

Sie zählt nicht zu den kürzesten Erzählungen in der Bibel, die Geschichte um den jungen Joseph, dessen Brüder auf ihn neidisch sind, weil der Vater ihn zum Liebling erkoren hat, und den sie nach Ägypten in die Sklaverei verkaufen und dem Vater als tot melden, aber auch sie nimmt nur rund ein Dutzend Seiten ein – im Unterschied zu Thomas Mann, der daraus ein Epos von weit über tausend Seiten machte. Als Oper in der Vertonung des Schweizers Gion Antoni Derungs dauert sie achtzig Minuten, anrührende Minuten, aber auch verstörende. Die Junge Oper, vor zwanzig Jahren an der Oper Stuttgart eingerichtet, um jungen Musikern erste professionelle Bühnenerfahrung zu ermöglichen, vor allem aber, um das Phänomen Oper einem jungen Publikum (dem Publikum der Zukunft) nahezubringen, hat die 2006 entstandene Oper nun in deutscher Erstaufführung auf die Bühne gebracht.

Ibrahima Biaye (Benjamin). Foto: Christoph Kalscheuer

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Psychologie des Spiels – Tschaikowskis Pique Dame an der Oper Stuttgart

Es ist eine Oper der Widersprüche. Auf der einen Seite die leidenschaftliche Liebe zwischen Lisa und German, auf der anderen kühle Berechnung, wenn Lisa sich mit dem reichen Jeletzki verlobt. Hier die große Emotion, da das gierige Verlangen nach dem Spielgewinn am Kartentisch. Und auch musikalisch gibt die Oper Rätsel auf. Einerseits gibt die Musik die großen Gefühle romantisch wieder, auf der anderen zitiert sie die Rokokozeit eines Mozart. Diese Widersprüchlichkeiten sin die Basis für eine neue Inszenierung von Tschaikowskis Werk an der Oper Stuttgart.

Helene Schneiderman (Gräfin), Erin Caves (German

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Zwei alte Tanten … Arsen und Spitzenhäubchen am Schauspiel Stuttgart

Es ist einer der großen Filmklassiker, der Inbegriff schwarzen Humors: Brave Bürgerlichkeit trifft auf unverhohlenen Wahnsinn, und dieser Wahnsinn hat auch noch Methode. Arsen und Spitzenhäubchen war ein Erfolgshit am Broadway und mit Cary Grant auch auf der Filmleinwand. Das war vor über siebzig Jahren, und immer noch bringen Theater den Dauerbrenner auf die Bühne – jetzt das Schauspiel Stuttgart, und es holte sich dazu den Spezialisten für psychologisch tiefschürfende Dramen, Jan Bosse, als Regisseur.

Sebastian Röhrle (Teddy Brewster), Ferdinand Lehmann (O’Hara), Christian Schneeweiß (Jonathan Brewster), Manolo Bertling (Mortimer Brewster), Astrid Meyerfeldt (Dr. Einstein). Foto: Bettina Stöß

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Woher – Wohin? Ursprünge in der Geschichte der Menschheit

Die Frage nach dem Woher hat die Menschen seit jeher umgetrieben. Kaum eine Kultur, die sich nicht Ursprüngsmythen ausgedacht hat. Bei den Griechen war die Nacht Ausgangspunkt allen Seins, Nyx, ein schwarzer Vogel, aus dessen vom Wind befruchtetes Ei Eros entstiegen sein soll. Die Sumerer hatten einen Ursprungsgott Anu zur Begattung der Erde, die Bibel berichtet von Gott, der sich als erste Aufgabe gestellt haben soll, Himmel und Erde zu schaffen. Und auch die Wissenschaften befassen sich gern mit ersten Anfängen. Eine Ausstellung im Tübinger Schloss geht nun einigen solcher Ursprünge nach, denn eines ist gewiss: Den Ursprung gibt es nicht.

Museum der Universität Tübingen MUT/Valentin Marquardt

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Dünn, aber oho – die Linie als Alleskönnerin

Sie ist eine der ältesten Kulturformen der Kunst – die Linie. In alten Hochkulturen wurde sie in Ton geritzt, mit ihrer Hilfe wurden in Höhlen Tiere porträtiert, sie ist das Grundelement einer jeden Zeichnung. Die Renaissance unterschied die schöne geschwungene Linie von der starren, und im 20. Jahrhundert erfuhr die Linie eine neue Blüte im Werk eines Picasso oder Klee, nicht zuletzt weil sie im Grunde abstrakt ist, sich aber zu jeder Darstellungsform eignet. Dass die Linie eine Alleskönnerin ist, zeigt jetzt eine Ausstellung in der Galerie Stihl in Waiblingen.

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