Wiederentdeckt: E.M.Forster: Zimmer mit Aussicht. Eine Liebesgeschichte

Seit der Renaissance ist Italien ein Mekka für Künstler, für die wohlhabenden jungen Engländer war es ab dem 18. Jahrhundert ein Muss auf ihrer Grand Tour über das Festland, im Hollywoodkino bekehrt es geschäftstüchtige und allzu nüchterne amerikanische Herren der besseren Gesellschaft zum Dolce far niente. Auch der englische Schriftsteller E. M. Forster, Jahrgang 1879, war offenbar nicht unempfänglich für die Reize des Landes, wo die Zitronen blühen. Zwei seiner sechs Romane spielen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil im Land der Sonne und der Kultur, so auch der durch James Ivorys Verfilmung einem breiteren Publikum bekannte Roman Zimmer mit Aussicht.

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Mit Hieronymus Bosch in die Gegenwart: Heinz Zanders vielschichtige Bildwelten

Er war für damalige Verhältnisse ein Weltstar, und kein Geringerer als König Philipp II. von Spanien war sein großer Bewunderer, weshalb in Spanien die meisten seiner Gemälde zu finden sind: Hieronymus Bosch. Bis heute geben seine Bildwelten Anlass zum Rätselraten, nicht nur wegen der zuweilen skurrilen Fabelwesen aus dem Tierreich. Und nicht nur Exegeten faszinierte er, auch spätere Malerkollegen. Unter ihnen sicher Heinz Zander, einer der Hauptvertreter der Leipziger Schule. Die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen widmet ihm eine große Ausstellung, deren Titel bereits auf die Bosch-Begeisterung des Malers schließen lässt: Schönheiten und Ungeheuer.

Posaunenkonzert am Strand von Kanoniers Island, 2013, Ausschnitt © VG Bild-Kunst Bonn, 2019 Foto: Horst Simschek

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Konkretes Büro: lgnacio Uriarte im Kunstmuseum Reutlingen / Konkret

Linie, Farbe und Fläche, so meinte Theo van Doesburg 1930, sei das Konkreteste, das man sich optisch vorstellen könne, und es reiche auch aus: Die Konkrete Kunst war begründet, eine Kunst, deren Ausdrucksmittel dem Betrachter zwar bekannt sind, aber alles andere als vom Alltag her vertraut, denn diese Kunst verzichtet auf jegliche Abbildung einer gegenständlichen Welt, ihre Mittel sind reiner Zweck, der einer meist mathematisch begründeten Kunst dient. Entsprechend systematisch geht auch der Spanier lgnacio Uriarte vor, doch seine Ausdrucksmittel sind nicht geometrisch abstrakt, sondern entstammen dem vertrauten Lebensalltag, genauer, dem Alltag im Büro.

Still aus Papierballfall (2008) Foto: © S. Vogel

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Skulpturale Metamorphosen: Robert Schads Skulpturenregion auf Zeit

Skulpturen im öffentlichen Raum sind in der Regel Solitäre, kommen vereinzelt vor – zu schwer die Arbeiten, zu aufwändig die Logistik. Zwar gibt es Ansammlungen von Skulpturen, meist in Form von Wegen wie etwa in Kirchheim/Teck oder in den Weinbergen von Strümpfelbach, doch viel mehr als ein Dutzend Arbeiten sind auch da selten versammelt. Im Sommer 2019 aber gibt es gar eine ganze Skupturenlandschaft: Bis November finden sich in Oberschwaben Arbeiten von Robert Schad – sechzig Arbeiten an vierzig Orten von Ulm im Norden bis zum Bodensee im Süden, von Beuron im Westen bis Isny im Osten.

SERBINT, 2019, Hofgarten Schloss Messkirch © VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Foto Ursula Schäfer-Zerbst

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Unsterblich! Alte Kunst aus neuen Händen in der Kunsthalle Tübingen

Während seiner Lehrjahre in Italien, dem Kunstland seiner Zeit, kopierte Peter Paul Rubens in sein Skizzenbuch einzelne Gliedmaßen von Figuren aus Meisterwerken seiner Lehrer. Zuhause fügte er diese dann in seine eigenen Gemälde ein, wobei die Übernahmen sich in perfekte Rubensgemälde verwandelten. Man hätte das mit dem neuen Begriff „Appropriation Art“ bezeichnen können, Aneignungskunst. Als Plagiat galt derlei damals nicht, eher als ehrfürchtige Verneigung vor den Meistern. Heute sind solche „Anleihen“ zu einem eigenen Trend in der zeitgenössischen Kunst geworden. Die Kunsthalle Tübingen zeigt das Comeback der großen alten Meister in der Kunst von heute.

José Manuel Ballester, Primavera, 2015. Foto: José Manuel Ballester

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Wiederentdeckt: E.M. Forster, Wiedersehen in Howards End

Wenn von einem Schriftsteller, der nur sechs Romane geschrieben hat, drei den Weg auf die internationale Leinwand gefunden haben, ist das ein Zeichen für ein gerüttelt Maß an Popularität. Die genießt E.M. Forster in der angelsächsischen Welt durchaus, seit David Lean seinen Roman Reise nach Indien 1984 verfilmte. Dem folgte ein Jahr danach James Ivorys nicht minder erfolgreiche Version von Zimmer mit Aussicht und 1992 Ivorys Film Wiedersehen in Howards End. Nur in Deutschland hält sich diese Popularität in Grenzen – zu Unrecht, denn Forsters Romane sind vorzüglich geschriebene Gesellschaftspanoramen mit subtilen Einsichten in die Psychologie und Lebensumstände der Figuren. In Howards End, so der englische Titel, zeichnet er eine Gesellschaft an der Zeitenschwelle zur Moderne.

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Großstadt contra Provinz: Sinclair Lewis, Main Street

An Selbstbewusstsein scheint es ihm nicht gemangelt zu haben. 1926 wurde Sinclair Lewis für seinen Roman Arrowsmith der Pulitzerpreis zuerkannt. Er aber lehnte ab, angeblich, weil der Titelheld eine für Amerika untypische Arztgestalt sei, wohl eher aber, weil er verärgert war, dass das Kuratorium eben dieses bedeutenden Preises die Jury überstimmte, die Lewis für den 1921 erschienenen Roman Main Street denselben Preis zuerkannt hatte. 1930 folgte dann die internationale Rechtfertigung. Als erster amerikanischer Schriftsteller erhielt er den Literaturnobelpreis, sicher zu Recht: Kaum ein anderer Schriftsteller hatte sich derart minutiös dem Alltagsleben des Durchschnittsbürgers gewidmet. In Babbitt schildert er einen mit dem Durchschnittsleben unzufriedenen Helden, in Main Street schickt er eine junge Frau in die Provinz, die dort das gesellschaftliche Leben revolutionieren will. Der Manesse Verlag hat den Klassiker jetzt neu herausgebracht.

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Gesicht zeigen – das Ich im Dialog mit der Welt im Kunstmuseum Ravensburg

Wie es in einem Menschen aussieht, kann man an seiner Kleidung ablesen, die Auskunft gibt über seine soziale Befindlichkeit, an seiner Körperhaltung, die momentanes Empfinden verrät, vor allem aber in seinem Gesicht, dem Spiegel der Seele. Diesem Phänomen widmet sich eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg, allerdings weniger dem Gesichtsausdruck als vielmehr seiner Mimik. „Face it!“ lautet der Titel, was so viel heißt wie: „Stell dich (der Welt)“, aber auch interpretiert werden kann: „Mach ein Gesicht zu dem, was dir begegnet“, was dem ingeniösen Untertitel entspräche: „Im Selbstgespräch mit dem Anderen“.

Nan Goldin, Jimmy Paulette and Taboo! In the Bathroom, 1991 © Nan Goldin

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Zwischen Realität und Fiktion: Zeitgenössische Blumenfotografie in der Galerie Stihl

Für Ausstellungen in der Galerie Stihl in Waiblingen sollte man viel Zeit mitbringen. Dafür wird man neben dem üblichen Kunstgenuss belohnt mit einer Vielzahl an kunsthistorischen, kulturgeschichtlichen und -theoretischen Informationen, die aus dem Besuch einer Kunstausstellung ein umfassendes kulturelles Erlebnis machen. So hatte die Kuratorin Barbara Martin vor einigen Monaten in einer Ausstellung über die französische Plakatkunst des 19. Jahrhunderts jedes Exponat mit einem umfangreichen Text versehen, den es zu lesen lohnte, und auch in der neuen Ausstellung, die sie mit der Kunsthistorikerin Stephanie Buck erarbeitet hat, führen die Texte weit über das rein sinnliche Erlebnis hinaus, und das ist reichhaltig genug, geht es doch um Blumen in der Fotografie.

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Drei Gründe, atemlos zu werden: Ein neues Programm beim Stuttgarter Ballett

Seit lange Handlungsballette eher die Ausnahme sind, haben es Ballettdirektoren nicht leicht, sinnvolle Stückzusammenstellungen auf die Bühne zu bringen. Dem langjährigen Stuttgarter Ballettintendanten Reid Anderson ist das in zunehmendem Maße gelungen. So fügten sich einmal höchst unterschiedliche Choreographien zu einem in sich geschlossenen Abend voller Nachtvisionen zusammen. Sein Nachfolger Tamas Detrich führt diese Tradition fort, wählte bisher für seine Abende aber eher vordergründige Themen, was dennoch der Wirkung keinen Abbruch tun muss. Für Shades of White vereinte er moderne Stücke mit dem alten Glanz von weißem Tütü und Spitzentanz, für seinen neuen Abend wählte er das Epitheton Atem-Beraubend.

Itzik Galili, Hikarizatto. Tänzer:  Jason Reilly, Alicia Amatriain © Stuttgarter Ballett

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