Innen-Kunst: Interieurs und Stillleben

In der Kunstgeschichte unterscheidet man die beiden Gattungen; wie nah sie miteinander verwandt sind, zeigt eine Ausstellung im Kunstmuseum Albstadt: Interieur – das Bild eines Innenraums – und Stillleben, das Bild toter oder regloser Gegenstände. Ohne Stillleben, so ließe sich definieren, kein Interieur, und ohne Innenraum ist ein traditionelles Stillleben kaum vorstellbar.

Rolf Escher, Büchersturz in London (British Library), 1999 © VG Bild-Kunst, Bonn, 2024. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Ironie des Schicksals: Verdis Rigoletto an der Oper Stuttgart

Die Oper enthält eine der berühmtesten Tenorarien der Opernliteratur: „O wie so trügerisch“, gesungen von einem Herzog, der nur einen Lebenssinn kennt – sich zu amüsieren. Um die anderen Dinge kümmern sich eher zwielichtige Gestalten, und die Titelfigur – Rigoletto, der Hofnarr des Herzogs – redet diesem nach dem Munde, bis Rigolettos Tochter Gilda sich in den Herzog verliebt. Verdi hielt diese Oper für eine seiner gelungensten, im Unterschied zu anderen Opern verzichtete er auf Korrekturen und Überarbeitungen. 2015 inszenierte der damalige Stuttgarter Opernintendant und Meisterregisseur Jossi Wieler zusammen mit Sergio Morabito die Oper für die Stuttgarter Bühne. Jetzt ist sie wieder im Repertoire.

Foto: Martin Sigmund

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„Rauschhafte“ Kunst in der Städtischen Galerie Böblingen

Was seien schon Namen, lässt Goethe seinen Faust räsonieren – nichts als Schall und Rauch. Weniger nichtig, aber nicht weniger irreführend, wäre statt des Rauchs der Rausch – so ließe sich der Titel einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Böblingen deuten – wären da nicht die Reize der Substanzen, die zum Rausch führen, aber auch deren Nebenwirkungen: „Schall + Rau(s)ch“.

Fritz Steisslinger, Stammtisch in der Gaststätte „Schöner Otto“ in Böblingen, 1940. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Welt im Wandel: Anthony Trollope „The Way We Live Now“ in neuer deutscher Übersetzung: „Umwälzungen“

Über hundert Bücher soll Frances Trollope verfasst haben, obwohl sie erst mit über fünfzig damit angefangen hatte, so berichtet es ihr Sohn Anthony, dem sie dadurch bei seinem bescheidenen Salär im Postdienst zu Beginn unter die Arme greifen konnte, bis er selbst mit Anfang dreißig zu schreiben begann. Er brachte es „nur“ auf knapp fünfzig Romane, was ihm die Kritik als Vielschreiber einbrachte. Das freilich muss kein negatives Qualitätsurteil sein; ihm gelangen brillante Porträts der englischen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In einem seiner besten und mit rund tausend Seiten längsten Bücher zeichnete er 1875 das unterhaltsame und präzise Bild seiner Gesellschaft, die er sehr kritisch sah. Deutsche Verlage haben sich mit seinen Büchern schwer getan, jetzt ist sein vielleicht bedeutendstes in einer neuen Übersetzung erschienen: The Way We Live NowUmwälzungen. Ein Gesellschaftsroman.

Anthony Trollope, Umwälzungen – Erster Band

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Ganz Auge sein – Ein Gang durch die Gratianusstiftung in Reutlingen

Wie kleine Zwillinge der großen Kunstwerke wirken sie, die Schildchen, die man in Ausstellungen neben den Arbeiten findet mit Angaben über Künstler, Titel und Technik des Werks und damit fast identisch mit diesem, aber eben nur fast, denn diese Schilder – „Bildlegenden“ in der Fachsprache – sind, wie der lateinische Wortursprung nahelegt, etwas zum Lesen, Kunstwerke aber sind etwas zum Schauen. Daher findet man in der Gratianusstiftung in Reutlingen solche Schilder nicht. Die Malerin Gabriele Straub und ihr Mann Hanns-Gerhard Rösch wollen die Werke ihrer Privatsammlung ganz aus sich heraus wirken lassen, als Abenteuer des Auges.

Gabriele Straub, Mandarin, 2015. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Von der Tradition in die Moderne? Shades of Blue and White am Stuttgarter Ballett

Um Theaterregisseur werden zu wollen, muss man nicht unbedingt Schauspieler gewesen ein, Ähnliches gilt für die Oper; Regisseure aus diesem aktiven Dienst sind sogar eher selten. Ganz anders beim Ballett: hier waren fast alle großen Choreographen in ihren jungen Jahren einmal Tänzer. Was sie da an Tradition aktiv praktizierten, ging nicht spurlos an ihrem Wirken als Choreographen vorüber. Ein neuer Abend am Stuttgarter Ballett verfolgt die Traditionslinien von Gestern und Heute in einem Balletttraum aus Blau und Weiß – Shades of Blue and White.

William Forsyth, Ensemble © Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

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Nichts als Papier? Made of Paper im Museum Ritter

Papier sei geduldig, heißt es, weil sich auf Papier mühelos so ziemlich alles leicht schreiben lässt. Es ist daher möglichst neutral in der Oberfläche – aber auch ein wenig langweilig, weil gleichförmig. Dass es ursprünglich mühsam geschöpft wurde, dass es rund dreitausend verschiedene Sorten gibt und von Künstlern heute immer häufiger als Grundmaterial für ihre Arbeit bevorzugt wird, gerät dabei in den Hintergrund. Eine Ausstellung im Museum Ritter in Waldenbuch gibt Anlass, das Material neu zu bewerten. Hier ist – fast – alles aus Papier.

Hans Peter Reuter, Grosses Blau 12/2/2, 2012. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Freies Gedankenspiel und konkrete Inhaltsvorgabe: Melanie Siegel und Reena Kallat im Kunstverein Reutlingen

Kunst lässt sich ganz allgemein als Bild einer Welt neben der uns vertrauten definieren. Sie kann realistisch sein und kaum Unterschiede zu unserem Alltag aufweisen, oder abstrakt, sie kann durch konkrete Hinweise etwa in Titeln Deutungssichtungen nahelegen oder der subjektiven Interpretation alle Wege offen lassen. Die neue Ausstellung im Kunstverein Reutlingen vereint beide Positionen geradezu im Extrem.

Melanie Siegel, Dachlandschaften, 2020 © VG Bild-Kunst Bonn 2023. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Vom Wesen der Dinge: Wilhelm Laages Blick auf Pflanzen und Landschaften im Kunstmuseum Reutlingen

Es dauerte lange, bis Wilhelm Laage endlich zu seiner Kunst fand. Der Vater betreute einen Friedhof, die Mutter arbeitete in einer Bleicherei, wo der Sohn gleichfalls in jungen Jahren tätig war; so kam Laage erst mit zweiundzwanzig auf die Gewerbeschule und durch die Förderung des Kunsthistorikers Alfred Lichtwark mit fünfundzwanzig an die Kunstakademie, wo er Meisterschüler bei dem Maler Leopold von Kalckreuth wurde. Dass er, Jahrgang 1868, alsbald beim Holzschnitt als bevorzugtem Medium landete, war für die Zeit ungewöhnlich, wurde der Holzschnitt doch erst Ende des 19. Jahrhunderts allmählich als Kunstform entdeckt. Laage wurde ein Meister darin, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Reutlingen wieder einmal zeigt.

Der Schädel (Neues Leben; Tulpen und Schädel), 1901. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Mathematische Fantasie: „Konkrete Progressionen“ im Kunstmuseum Reutlingen/konkret

Nichts sei konkreter als eine Linie, eine Farbe und eine Oberfläche, so formulierte es Theo van Doesburg 1930 in seinem Manifest der Konkreten Kunst. Es geht um Form und Farbe und deren gegenseitige Abhängigkeit und Beeinflussungen, um strenge, fast wissenschaftliche Erkundungen von Gesetzmäßigkeiten, die, so hat es sich in der Richtung ab den 50er Jahren entwickelt, vor allem in Serien durchexerzierbar sind. „Konkrete Progressionen“ nennt daher ganz folgerichtig die für konkrete Kunst zuständige Abteilung des Kunstmuseums Reutlingen ihre neue Ausstellung.

François Morellet, 52 x 4 N° 7, 2006 © VG Bild-Kunst, Bonn, 2023. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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