Archiv für den Monat: Januar 2023

Aspekte des Lebens – Junge Choreographen beim Stuttgarter Ballett

Bei vielen Großen des modernen Balletts liegen die Anfänge in Stuttgart – bei Jiří Kylián, John Neumeier oder Marco Goecke. Das ist freilich kein Zufall, denn in Stuttgart gibt die Noverre-Gesellschaft, die 1958 gegründet wurde, seit 1961 Tänzern Gelegenheit, selbst Choreographien zu kreieren und aufführen zu lassen. Inzwischen wird das unter dem Dach des Stuttgarter Balletts weitergeführt als Noverre:Junge Choreographen. Für diesen Nachwuchs besonders wichtig ist, dass Ballettchef Tamas Detrich inzwischen die Möglichkeit geschaffen hat, das nur dreimal an zwei Tagen aufgeführte Programm eine Woche lang im Internet als Stream verfügbar zu halten – für ein Publikum weltweit!

Nnamdi Christopher Nwagwu. „Abuo“. Tänzer: Riccardo Ferlito, Edoardo Sartori © Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

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Kunst-Welten. Graphik von Kristin Grothe im Kunstmuseum Albstadt

Für eine Radierung muss man eine Druckplatte gewissermaßen verletzen – eine Metallplatte beispielsweise mit einer scharfen Nadel ritzen oder durch Säure verätzen. Was sich nach Einfärbung der Platte in den Vertiefungen an Farbe festsetzt, erscheint dann auf dem Papierdruck als Linie oder wolkige Fläche. Felix Hollenberg, ein Meister der Radierung, hat vor hundert Jahren die zum Teil raffinierten technischen Möglichkeiten in einem Handbuch beschrieben, das freilich erst 2008 vollständig im Druck erschien. Von seinem Radierwerk befinden sich im Kunstmuseum Albstadt mehr als tausend Arbeiten. Daher verleiht das Museum seit 1992 den nach ihm benannten Preis für Druckgraphik. Die jüngste Preisträgerin Kristin Grothe führt die zum Teil raffinierten Möglichkeiten dieser Kunstform subtil weiter.

Ohne Titel. Aus der Folge „Raumvision“, 2003 © VG Bild-Kunst, Bonn, 2023. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Tier-Bilder im Museum Art.Plus in Donaueschingen

In Albert Camus‘ Roman Die Pest sind sie die Vorboten der tödlichen Seuche – die Ratten, die bei uns ohnehin ein schlechtes Image haben. Ganz im Unterschied zur Eule, die als weise gilt, dem Hund, der manchen Inbegriff der Treue ist. Vielen Tieren schreiben wir Eigenschaften zu, die sich freilich von denen in anderen Kulturkreisen unterscheiden. Und wenn sich Künstler diesen Lebewesen widmen, sieht das Bild noch einmal anders aus, wie man derzeit im Museum Art.Plus in Donaueschingen nachvollziehen kann.

Friedemann Flöther, Einhorn, 2009/10. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Sur-Real: Raumbilder von Ben Willikens im Schauwerk Sindelfingen

Nur ein Prozent der Deutschen hat Grau zur Lieblingsfarbe erkoren – kein Wunder: Zwar werden mit diesem Gemisch aus Schwarz und Weiß auch Würde oder Weisheit assoziiert, meist jedoch Eintönigkeit, Langeweile, Einsamkeit – oder auch das Grauen. Für den Maler Ben Willikens wohl Letzteres, was möglicherweise auf ein traumatisches Erlebnis in seiner Kindheit zurückzuführen ist, und es blieb nicht das einzige Trauma, das sich seinem Gedächtnis eingegraben und sein Schaffen geprägt hat. Wie zentral das Gedächtnis für diesen Künstler ist, macht das Schauwerk Sindelfingen jetzt bereits im Titel einer großen Retrospektive deutlich: „Ben Willikens. Raum und Gedächtnis“.

Ben Willikens, Abendmahl, 1976/79, Foto: Andreas Freytag, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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