Archiv für den Monat: Juli 2019

Wiederentdeckt: E.M. Forster, Wiedersehen in Howards End

Wenn von einem Schriftsteller, der nur sechs Romane geschrieben hat, drei den Weg auf die internationale Leinwand gefunden haben, ist das ein Zeichen für ein gerüttelt Maß an Popularität. Die genießt E.M. Forster in der angelsächsischen Welt durchaus, seit David Lean seinen Roman Reise nach Indien 1984 verfilmte. Dem folgte ein Jahr danach James Ivorys nicht minder erfolgreiche Version von Zimmer mit Aussicht und 1992 Ivorys Film Wiedersehen in Howards End. Nur in Deutschland hält sich diese Popularität in Grenzen – zu Unrecht, denn Forsters Romane sind vorzüglich geschriebene Gesellschaftspanoramen mit subtilen Einsichten in die Psychologie und Lebensumstände der Figuren. In Howards End, so der englische Titel, zeichnet er eine Gesellschaft an der Zeitenschwelle zur Moderne.

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Großstadt contra Provinz: Sinclair Lewis, Main Street

An Selbstbewusstsein scheint es ihm nicht gemangelt zu haben. 1926 wurde Sinclair Lewis für seinen Roman Arrowsmith der Pulitzerpreis zuerkannt. Er aber lehnte ab, angeblich, weil der Titelheld eine für Amerika untypische Arztgestalt sei, wohl eher aber, weil er verärgert war, dass das Kuratorium eben dieses bedeutenden Preises die Jury überstimmte, die Lewis für den 1921 erschienenen Roman Main Street denselben Preis zuerkannt hatte. 1930 folgte dann die internationale Rechtfertigung. Als erster amerikanischer Schriftsteller erhielt er den Literaturnobelpreis, sicher zu Recht: Kaum ein anderer Schriftsteller hatte sich derart minutiös dem Alltagsleben des Durchschnittsbürgers gewidmet. In Babbitt schildert er einen mit dem Durchschnittsleben unzufriedenen Helden, in Main Street schickt er eine junge Frau in die Provinz, die dort das gesellschaftliche Leben revolutionieren will. Der Manesse Verlag hat den Klassiker jetzt neu herausgebracht.

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Gesicht zeigen – das Ich im Dialog mit der Welt im Kunstmuseum Ravensburg

Wie es in einem Menschen aussieht, kann man an seiner Kleidung ablesen, die Auskunft gibt über seine soziale Befindlichkeit, an seiner Körperhaltung, die momentanes Empfinden verrät, vor allem aber in seinem Gesicht, dem Spiegel der Seele. Diesem Phänomen widmet sich eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg, allerdings weniger dem Gesichtsausdruck als vielmehr seiner Mimik. „Face it!“ lautet der Titel, was so viel heißt wie: „Stell dich (der Welt)“, aber auch interpretiert werden kann: „Mach ein Gesicht zu dem, was dir begegnet“, was dem ingeniösen Untertitel entspräche: „Im Selbstgespräch mit dem Anderen“.

Nan Goldin, Jimmy Paulette and Taboo! In the Bathroom, 1991 © Nan Goldin

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Zwischen Realität und Fiktion: Zeitgenössische Blumenfotografie in der Galerie Stihl

Für Ausstellungen in der Galerie Stihl in Waiblingen sollte man viel Zeit mitbringen. Dafür wird man neben dem üblichen Kunstgenuss belohnt mit einer Vielzahl an kunsthistorischen, kulturgeschichtlichen und -theoretischen Informationen, die aus dem Besuch einer Kunstausstellung ein umfassendes kulturelles Erlebnis machen. So hatte die Kuratorin Barbara Martin vor einigen Monaten in einer Ausstellung über die französische Plakatkunst des 19. Jahrhunderts jedes Exponat mit einem umfangreichen Text versehen, den es zu lesen lohnte, und auch in der neuen Ausstellung, die sie mit der Kunsthistorikerin Stephanie Buck erarbeitet hat, führen die Texte weit über das rein sinnliche Erlebnis hinaus, und das ist reichhaltig genug, geht es doch um Blumen in der Fotografie.

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Drei Gründe, atemlos zu werden: Ein neues Programm beim Stuttgarter Ballett

Seit lange Handlungsballette eher die Ausnahme sind, haben es Ballettdirektoren nicht leicht, sinnvolle Stückzusammenstellungen auf die Bühne zu bringen. Dem langjährigen Stuttgarter Ballettintendanten Reid Anderson ist das in zunehmendem Maße gelungen. So fügten sich einmal höchst unterschiedliche Choreographien zu einem in sich geschlossenen Abend voller Nachtvisionen zusammen. Sein Nachfolger Tamas Detrich führt diese Tradition fort, wählte bisher für seine Abende aber eher vordergründige Themen, was dennoch der Wirkung keinen Abbruch tun muss. Für Shades of White vereinte er moderne Stücke mit dem alten Glanz von weißem Tütü und Spitzentanz, für seinen neuen Abend wählte er das Epitheton Atem-Beraubend.

Itzik Galili, Hikarizatto. Tänzer:  Jason Reilly, Alicia Amatriain © Stuttgarter Ballett

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