Archiv für den Monat: April 2022

Wagner ursprünglich und wörtlich genommen: Der Fliegende Holländer am Nationalthater Mannheim

Dass der Holländer die zentrale Figur dieser Oper ist, macht schon seine Präsenz deutlich: Kaum ist der Steuermann auf dem Schiff des seefahrenden Kaufmanns Daland eingenickt, tritt die Titelfigur zu ihrem großen Monolog auf und beherrscht dann für den Rest des 1. Aktes die Bühne. Senta, die in der von Wagner 1860 neu geschaffenen Fassung zur zentralen Figur wird, die den Holländer von seinem Fluch, ewig zur See fahren zu müssen, erlöst, tritt dagegen erst auf, wenn die Oper fast zur Hälfte vorüber ist. Nicht so in Roger Vontobels Inszenierung am Nationaltheater Mannheim.

Delphina Parenti (Traum-Senta),Michael Bronczkowski (Traum-Holländer) und Daniela Köhler (Senta) © Christian Kleiner

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Von den Nachwehen der Zeit: Vier neue Stücke der Jungen Choreographen am Stuttgarter Ballett

Bei vielen Großen des modernen Balletts liegen die Anfänge in Stuttgart – bei Jiří Kylián, John Neumeier oder Marco Goecke. Das ist freilich kein Zufall, denn in Stuttgart gibt die Noverre-Gesellschaft, die 1958 gegründet wurde, seit 1961 Tänzern Gelegenheit, selbst Choreographien zu kreieren und aufführen zu lassen. Inzwischen wird das unter dem Dach des Stuttgarter Balletts weitergeführt als Noverre:Junge Choreographen. In diesem Jahr waren es fünf, die zum Teil schon zum zweiten Mal von der Seite der Tänzer auf die der Choreographen wechselten.

Satchel Tanner, Jolie Rose Lombardo, Lassi Hirvonen, Julliane Franzoi, Danil Zinovyev © Stuttgarter Ballett

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Happy End einer Dystopie: Axel Ranisch inszeniert Humperdincks Hänsel und Gretel an der Oper Stuttgart

1973 kam ein Film in die amerikanischen Kinos, der radikal vor einer drohenden Umweltzerstörung warnte. Er zeichnete ein hoffnungslos überbevölkertes New York in einer Welt, in der die Natur keine Nahrung mehr spendet und in der die Menschen mit farbigen Talern der Firma Soylent (abgeleitet von Soya und lent = Linse) abgespeist werden. Besonders begehrt, aber teuer das angeblich aus Plankton hergestellte grüne Soylent, das, so entdeckt ein alter Bürger, der noch echtes Gemüse kennengelernt hat, aus Menschenleichen hergestellt wird. Ob dieser Erkenntnis verschreibt er sich einer „Tötungsanstalt“, die ihm einen sanften Tod bei Naturbildern und Beethovens Pastoralsymphonie ermöglicht – ein Film, der Axel Ranisch 2022 bei seiner Stuttgarter Inszenierung von Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel inspiriert haben könnte, ein Film, der in die deutschen Kinos unter dem Titel …Jahr 2022…die überleben wollen kam.


Ida Ränzlöv (Hänsel), Catriona Smith (Mutter)Foto: Matthias Baus

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Vom Abbild zum autonomen Kunstwerk: Die menschliche Figur im 20. Jahrhundert im Kunstmuseum Albstadt

In einem Jahrhundert, in dem ein Kasimir Malewitsch ein schwarzes Quadrat zur Kunstikone machte, in dem die konkrete Kunst propagierte, es gebe nur die Linie, die Fläche und die Farbe, und die seien nur das, was sie sind, nicht Mittel zum Zweck einer Darstellung, dürfte die menschliche Figur, die neben der Landschaft und dem Stillleben jahrhundertelang die bildende Kunst geprägt hatte, keinen Platz mehr haben. Doch weit gefehlt, wie eine Ausstellung im Kunstmuseum Albstadt zeigt. Die Figur behauptete sich, wenn auch unter neuen Voraussetzungen.

Max Ackermann, Drei Akte in Landschaft, 1906 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto Kunstmuseum Albstadt

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