Archiv der Kategorie: Kunst

Mit Hieronymus Bosch in die Gegenwart: Heinz Zanders vielschichtige Bildwelten

Er war für damalige Verhältnisse ein Weltstar, und kein Geringerer als König Philipp II. von Spanien war sein großer Bewunderer, weshalb in Spanien die meisten seiner Gemälde zu finden sind: Hieronymus Bosch. Bis heute geben seine Bildwelten Anlass zum Rätselraten, nicht nur wegen der zuweilen skurrilen Fabelwesen aus dem Tierreich. Und nicht nur Exegeten faszinierte er, auch spätere Malerkollegen. Unter ihnen sicher Heinz Zander, einer der Hauptvertreter der Leipziger Schule. Die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen widmet ihm eine große Ausstellung, deren Titel bereits auf die Bosch-Begeisterung des Malers schließen lässt: Schönheiten und Ungeheuer.

Posaunenkonzert am Strand von Kanoniers Island, 2013, Ausschnitt © VG Bild-Kunst Bonn, 2019 Foto: Horst Simschek

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Konkretes Büro: lgnacio Uriarte im Kunstmuseum Reutlingen / Konkret

Linie, Farbe und Fläche, so meinte Theo van Doesburg 1930, sei das Konkreteste, das man sich optisch vorstellen könne, und es reiche auch aus: Die Konkrete Kunst war begründet, eine Kunst, deren Ausdrucksmittel dem Betrachter zwar bekannt sind, aber alles andere als vom Alltag her vertraut, denn diese Kunst verzichtet auf jegliche Abbildung einer gegenständlichen Welt, ihre Mittel sind reiner Zweck, der einer meist mathematisch begründeten Kunst dient. Entsprechend systematisch geht auch der Spanier lgnacio Uriarte vor, doch seine Ausdrucksmittel sind nicht geometrisch abstrakt, sondern entstammen dem vertrauten Lebensalltag, genauer, dem Alltag im Büro.

Still aus Papierballfall (2008) Foto: © S. Vogel

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Skulpturale Metamorphosen: Robert Schads Skulpturenregion auf Zeit

Skulpturen im öffentlichen Raum sind in der Regel Solitäre, kommen vereinzelt vor – zu schwer die Arbeiten, zu aufwändig die Logistik. Zwar gibt es Ansammlungen von Skulpturen, meist in Form von Wegen wie etwa in Kirchheim/Teck oder in den Weinbergen von Strümpfelbach, doch viel mehr als ein Dutzend Arbeiten sind auch da selten versammelt. Im Sommer 2019 aber gibt es gar eine ganze Skupturenlandschaft: Bis November finden sich in Oberschwaben Arbeiten von Robert Schad – sechzig Arbeiten an vierzig Orten von Ulm im Norden bis zum Bodensee im Süden, von Beuron im Westen bis Isny im Osten.

SERBINT, 2019, Hofgarten Schloss Messkirch © VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Foto Ursula Schäfer-Zerbst

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Unsterblich! Alte Kunst aus neuen Händen in der Kunsthalle Tübingen

Während seiner Lehrjahre in Italien, dem Kunstland seiner Zeit, kopierte Peter Paul Rubens in sein Skizzenbuch einzelne Gliedmaßen von Figuren aus Meisterwerken seiner Lehrer. Zuhause fügte er diese dann in seine eigenen Gemälde ein, wobei die Übernahmen sich in perfekte Rubensgemälde verwandelten. Man hätte das mit dem neuen Begriff „Appropriation Art“ bezeichnen können, Aneignungskunst. Als Plagiat galt derlei damals nicht, eher als ehrfürchtige Verneigung vor den Meistern. Heute sind solche „Anleihen“ zu einem eigenen Trend in der zeitgenössischen Kunst geworden. Die Kunsthalle Tübingen zeigt das Comeback der großen alten Meister in der Kunst von heute.

José Manuel Ballester, Primavera, 2015. Foto: José Manuel Ballester

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Gesicht zeigen – das Ich im Dialog mit der Welt im Kunstmuseum Ravensburg

Wie es in einem Menschen aussieht, kann man an seiner Kleidung ablesen, die Auskunft gibt über seine soziale Befindlichkeit, an seiner Körperhaltung, die momentanes Empfinden verrät, vor allem aber in seinem Gesicht, dem Spiegel der Seele. Diesem Phänomen widmet sich eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg, allerdings weniger dem Gesichtsausdruck als vielmehr seiner Mimik. „Face it!“ lautet der Titel, was so viel heißt wie: „Stell dich (der Welt)“, aber auch interpretiert werden kann: „Mach ein Gesicht zu dem, was dir begegnet“, was dem ingeniösen Untertitel entspräche: „Im Selbstgespräch mit dem Anderen“.

Nan Goldin, Jimmy Paulette and Taboo! In the Bathroom, 1991 © Nan Goldin

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Zwischen Realität und Fiktion: Zeitgenössische Blumenfotografie in der Galerie Stihl

Für Ausstellungen in der Galerie Stihl in Waiblingen sollte man viel Zeit mitbringen. Dafür wird man neben dem üblichen Kunstgenuss belohnt mit einer Vielzahl an kunsthistorischen, kulturgeschichtlichen und -theoretischen Informationen, die aus dem Besuch einer Kunstausstellung ein umfassendes kulturelles Erlebnis machen. So hatte die Kuratorin Barbara Martin vor einigen Monaten in einer Ausstellung über die französische Plakatkunst des 19. Jahrhunderts jedes Exponat mit einem umfangreichen Text versehen, den es zu lesen lohnte, und auch in der neuen Ausstellung, die sie mit der Kunsthistorikerin Stephanie Buck erarbeitet hat, führen die Texte weit über das rein sinnliche Erlebnis hinaus, und das ist reichhaltig genug, geht es doch um Blumen in der Fotografie.

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Modernität in der Tradition: Christian Landenberger im Kunstmuseum Albstadt

Indirekt begegnet man ihm immer wieder. Der Name Christian Landenberger taucht in Ausstellungen so unterschiedlicher Maler wie Wilhelm Geyer, Manfred Henninger oder Oskar Schlemmer auf. Sie waren seine Studenten an der Stuttgarter Akademie. Doch seinen Bildern begegnet man eher selten, eine Einzelausstellung ist Rarität, vielleicht weil er als typischer Maler des 19. Jahrhunderts eingeordnet wird, zudem als schwäbischer Maler, also als regionale Größe. Dabei wurden zu seinen Lebzeiten seine Werke von allen bedeutenden deutschen Museen angekauft. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Albstadt, im Stadtteil Ebingen, seiner Heimat, zeigt, dass diese Einschätzung nur bedingt richtig ist.

Nun ade, du stilles Haus 1897 © Kunstmuseum Albstadt

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System und Chaos – Zeichnungen und Malerei von Renata Jaworska in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen

Sie sind stark schematisiert, übersichtlich und dienen der Orientierung: Stadtpläne erlauben selbst dem Ortsunkundigen zielgerichtete Fortbewegung in einem urbanen Ambiente. Freilich suggerieren sie nicht selten ein Ordnungssystem, das sich dem Flaneur im Dschungel der Straßenschluchten nicht offenbart. Somit sind sie Ordnungsinstrument und zugleich artifizielles Konstrukt. Mit diesem Widerspruch arbeitet die 1979 in Polen geborene Renata Jaworska. Die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen zeigt eine Auswahl ihrer Werke unter dem bezeichnenden Titel Verortung.

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Lukas Weiß: Bildwelten aus Parkett

Man braucht nicht viel zu einem Holzschnitt, es genügen: ein Holzbrett, ein scharfes Messer und Farbe. Damit hat man sich jahrhundertelang begnügt. Aber spätestens seit Holzschneider wie HAP Grieshaber ganze Türen als Druckstöcke benutzten, von Gewehrkugeln durchlöcherte Bretter oder gedrechselte Stuhlbeine, waren der Vielfalt der Materialien, mit denen man drucken konnte, keine Grenzen gesetzt. Verglichen damit ist der 1986 geborene Lukas Weiß, Gewinner des diesjährigen Holzschnitt-Förderpreises des Freundeskreises Kunstmuseum in Reutlingen, ein Minimalist. Er hat als Druckstock das Stäbchenparkett entdeckt und gestaltet aus damit gedruckten schmalen rechteckigen Streifen Bilder von mehreren Quadratmetern, die jetzt das Kunstmuseum Reutlingen zeigt.

Blues, 2018 © Lukas Weiß, Leipzig. Foto: Barbara Proschak, Leipzig

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Sehen wir, was ist? Die Kunst des Hans Jörg Glattfelder

Etwas Konkreteres als Linie, Farbe und Oberfläche gebe es nicht, so meinte Theo van Doesburg und begründete damit 1930 die Konkrete Kunst. Sechs Jahre später fand dieses Manifest bei einer Gruppe von Künstlern in Zürich ihren Widerhall, und auch das Manifest von Max Bill betonte eine Kunst, die ganz ihren eigenen Gesetzen gehorchen solle, fern jeder Naturerscheinung. Allerdings fügte er den beiden Mitteln Farbe und Form noch drei hinzu: Raum, Licht und Bewegung. Die Schule der Zürcher Konkreten war geboren. Drei Jahre danach kam Hans Jörg Glattfelder zur Welt und ließ sich als junger Künstler von dieser Kunst inspirieren. Das Museum Ritter zeigt nun eine Retrospektive.

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