Archiv der Kategorie: Kunst

Von der Malerei zum Druck: Das Buch im Spätmittelalter

Die Zahlen können einen schwindlig machen. Buchauflagen in Millionenhöhe weltweit sind keine Seltenheit; die Zahl der jährlichen Buchneuerscheinungen ist nicht übersehbar – das Buch ist ein Massenartikel par excellence. Doch war es ursprünglich ein Unikat, teuer, selten – und wohl auch daher mit besonderer Sorgfalt hergestellt. Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt, wie aus der singulären mittelalterlichen Handschrift Schritt für Schritt das moderne Buch entstand, wie wir es kennen.

Niederlande, Ende 15. Jahrhundert, Blatt aus einem Stundenbuch mit der „Beweinung Christi“, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

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Kreative Ordnung: Wenn Künstler „Büroarbeit“ machen

Er zählt zum Inbegriff beruflicher Tristesse – der Büroalltag. Da schreckt das tägliche Einerlei der Bearbeitung des rechten Stapels zum linken, da ist der Staub der Akten, der Zwang zur peniblen Ordnung, die Notwendigkeit, jede Kleinigkeit in Sekundenschnelle wiederzufinden, staubtrockene Materie, klare Linie. All das findet sich auch in einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, und doch kann man dort diesem ach so drögen Thema so manchen Witz abgewinnen, denn gezeigt wird das, was Künstlern von heute zum Büro eingefallen ist.

Matten Vogel, 2015 Monate, 2015/2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Foto: Hubert P. Klotzeck

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Die Welt als Panoptikum: Reinhold Nägele im Kunstmuseum Stuttgart

Es war eine Zeit der großen Umbrüche in der Welt der Kunst. Die Expressionisten drückten ihre innersten Emotionen in kräftigen Farben aus, die Futuristen versuchten, der Geschwindigkeit des modernen Lebens künstlerische Form zu verleihen, die Surrealisten entdeckten die wahre Welt in Traumszenarien, und die Neue Sachlichkeit verzichtete auf unmittelbaren subjektiven Ausdruck. All das findet seinen Nachhall auch im Werk von Reinhold Nägele, der, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart zeigt, dennoch keiner dieser Strömungen zuzuordnen ist.

Abbrucharbeiten am alten Stuttgarter Bahnhof, 1924. Foto: Kunstmuseum Stuttgart © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

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Scharfe Präzision: Der Scherenschnitt gestern und heute

Den Anfang soll eine junge Frau im antiken Griechenland gemacht haben. Weil ihr Geliebter in die Ferne ziehen sollte, zog sie die Umrisslinie des Schattens, den sein Gesicht im Lampenschein auf die Wand warf, nach. Der Schattenriss war geboren. Zur Zeit des Klassizismus, in der die Gebildeten sich gern der Antike zuwandten, war diese Anekdote sehr beliebt – und auch die Möglichkeit, Gesichter auf diese Weise naturgetreu fixieren zu können, nur nicht mehr an der Wand, sondern auf Papier: Der Schattenriss wurde zum Scherenschnitt – im 19. Jahrhundert ein populärer Zeitvertreib für junge Damen. Welche Formen diese an sich schlichte Technik annehmen kann, zeigt die Stihl Galerie in Waiblingen: Scharf geschnitten – und zwar früher und heute.

Luise Duttenhofer, Luise Duttenhofer heftet ihrem Mann Flügel an die Fersen, ab 1804. Deutsches Literaturarchiv Marbach

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Die Welt als Bild – Marcus Schwier entdeckt Ravensburg

Entwickelt wurde sie im Koreakrieg – eine Fototechnik, mit der sich Landschaften auch bei geringstem Licht aufnehmen lassen. Diese Infrarotkameras zeigen uns nicht das optische Erscheinungsbild eines Gegenstandes, das uns durch die Lichtwellen zugänglich gemacht wird, sie geben die Wärmestrukturen einer Oberfläche wieder. So kann mit ihnen der Mediziner Entzündungsherde im Körper sichtbar machen, die Feuerwehr verborgene Glutnester aufspüren oder eben das Militär ein Gelände bei absoluter Dunkelheit observieren. Im Rahmen des Projekts „Fremde Blicke“ hat sich der Fotograf Marcus Schwier unter anderem auch mit dieser Technik auf den Weg gemacht, um Ravensburg zu erkunden.

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Licht-Kunst: Roger Aupperle im Forum Kunst, Rottweil

Prometheus hatte den Menschen das Feuer und damit Energie und Licht gebracht, beides aber sahen die Götter als ihr Eigentum an. Den Menschen war eine Existenz im Schattenreich zugewiesen, wie das Höhlengleichnis von Plato nahelegt. Das Resultat: Sie ließen den Missetäter an einen Felsen ketten, und dort kam jeden Tag ein Adler und fraß ihm ein Stück seiner Leber weg, die in der Nacht wieder nachwuchs. Hätte der Rottenburger Künstler in derselben Zeit gelebt, dann hätte er möglicherweise ein ähnliches Schicksal gehabt, denn Aupperle bringt zwar nicht Feuer unter die Menschen, sondern nur Licht, das aber in vielfältiger Form und seit Jahren.

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Ein Leben in der Farbe: Karl Schmidt-Rottluff im Kunstmuseum Ravensburg

Sie wollten die neue Generation ansprechen, die Jugend und die im Akademismus erstarrte Kunst erneuern – die Künstler, die sich unter dem Namen Brücke zusammenschlossen. Das stieß auf Ablehnung, ihre Bilder wurden zum Teil angespuckt, doch letztlich hatten sie damit ihr Ziel erreicht: die Menschen aufzurütteln und zu irritieren, mit kräftigen, „unnatürlichen“ Farben, Motiven, die in der braven Bürgerwelt Anstoß erregen mussten, mit einer freien, spontanen Malweise. Der Name stammte von einem der Gründungsmitglieder, Karl Schmidt-Rottluff, der von seinem Malduktus her ganz ins Programm der Expressionisten passte und doch einen Eigenweg beschritt, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg zeigt.

Weg nach Rottluff, um 1903 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Ein katholisches Signal in protestantischen Landen: Der Meister von Meßkirch in der Staatsgalerie Stuttgart

Sie haben berühmte Kunstwerke geschaffen und sind doch unbekannt, jene mittelalterlichen Maler, die nach ihren Hauptwerken benannt werden, als „Meister“ etwa „des Aachener Altars“. Kein Wunder, galten Maler im Mittelalter doch nicht als Künstler, gar als Genies, sondern als Handwerker, signierten daher ihre Werke nicht und haben mit ihnen doch einen festen Platz in der Kunstgeschichte, wie etwa der Meister von Meßkirch, benannt nach seinem Hauptwerk, der Ausgestaltung der Martinskirche in Meßkirch. Die Staatsgalerie Stuttgart widmet ihm nun eine große, in deren Zentrum der Bilderschmuck von St. Martin steht, kein leichtes Unterfangen, denn die Bildtafeln befinden sich mit Ausnahme des großen Dreikönigsbildes längst nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort.

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Meßkirch, Pfarrkirche © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Aufnahme: Michael Eckmann

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Nicht nur illustriert – Picassos Kunstbücher in Göppingen

In der Regel führen sie ein Nischendasein, dabei müsste ihnen eigentlich ein großes Publikum sicher sein: Bücher, die von Künstlern gestaltet wurden, denn selten ist das Spektrum eines Genres, um nicht gleich von einer Kunstgattung zu reden, derart groß wie in dem Fall, da sich ein Künstler dem eigentlich dem Lesen vorbehaltenen Kommunikationsmedium widmet. Das konnte, wie jahrhundertelang kultiviert, in Form von Illustrationen geschehen, das konnte in eigenen Texten bestehen, die mit Bildern versehen wurden, das konnten auch ganz eigene Buchformen sein, wie es die Dadaisten und nach ihnen die Künstler des Fluxus praktizierten. Dennoch sucht man Künstlerbücher in Museen oft vergebens. Die Kunsthalle Göppingen zeigt nun Künstlerbücher eines Mannes, der vielen als Inbegriff des Künstlers des 20. Jahrhunderts schlechthin gilt, Pablo Picasso.

Pablo Picasso, Trois têtes d’hommes, 1931, aus Ovid, Les métamorphoses © Succession Picasso, 2017, VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Der Alltag als Kunst: Ein Schriftsteller erkundet die Kunsthalle Göppingen

Mit einer Günther Uecker-Ausstellung fing es an, das Leben der Kunsthalle Göppingen, anno 1989 in einer Stadt, in der Kunst bis dahin allenfalls im Foyer der Stadthalle zu sehen war. Seither gibt es also einen eigenen Kunsttempel, wenn auch in einer Gegend, in der man derlei nicht unbedingt suchen mag. Doch der Ort entwickelte Leben, Kunst von heute, Avantgarde, oft noch ehe eine documenta in Kassel auf einen Künstler aufmerksam wurde. Nun konnte auch noch ein Literaturstipendium eingerichtet werden, benannt nach einem Dichter, der Göppingen nie zu Gesicht bekommen hat: Rainer Maria Rilke, und der erste Stipendiat, Kai Bleifuss, widmete sich in einem Buch sinnigerweise dem Genius loci, der Kunsthalle, wenn auch nicht der Kunst.

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