Archiv der Kategorie: Kunst

Immer an der Wand lang: Wände in der bildenden Kunst

Die Wand ist ein zwiespältiges Phänomen. Auf der einen Seite definiert sie Räume, mithin also auch Geborgenheit, Privatsphäre, sie bietet Sicherheit gegen das unwägbare Draußen. Andererseits schließt sie auch aus, trennt uns von der Welt der anderen, stellt ein Hindernis dar, auch eine psychische Bedrohung weil Einengung, gegen die wir anrennen wollen. Selbst der Schutzaspekt ist eine Medaille mit zwei Seiten. Die Wand bietet die Möglichkeit zur Anlehnung, aber sie stellt auch den letzten Rückzugspunkt dar, wenn wir mit dem Rücken zu ihr stehen. Kein Wunder, dass sie für die Künstler mehr ist als nur ein architektonisches Alltagselement, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart mit dem schlichten Titel Wände/Walls zeigt.

Joseph Kosuth, Wall – One and five (Historical), 1965, Teilansicht. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Fiktionen der Realität – Positionen moderner Fotografie

Wörtlich genommen heißt fotografieren Zeichnen mit Licht. Das klingt nach bildender Kunst. Doch ursprünglich diente die Fotografie dem Ziel, die Realität möglichst exakt abzubilden, exakter und auch „neutraler“, als dies dem Maler vergönnt war, der seit der Erfindung dieses Mediums denn auch von der Aufgabe, die Realität wiederzugeben, befreit war. Dem trägt eine Bemerkung im Leporello zu einer Ausstellung in der Stuttgarter Galerie Schlichtenmaier Rechnung: es sei nicht möglich zu fotografieren, was nicht vor die Linse zu holen ist, heißt es da, um gleich zu korrigieren, das Ergebnis sei dennoch etwas anderes als das Dargestellte. Und der Ausstellungstitel verstärkt diese Korrektur noch: Die Illusion der Realität.

Hannes Kilian, Guggenheim Museum New York, 1971 © Hannes Kilian /VG Bild-Kunst, Bonn

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Zwischen Innen und Außen: Die Tür aus Sicht der bildenden Künstler

Türen sind letztlich stets eine Sache der Perspektive. Man kann durch sie einen Raum, ein Haus betreten, aber auch verlassen. Türen trennen das Innen vom Außen, sie verbinden aber zugleich auch beide Bereiche, sie grenzen, weil man sie verschließen kann, das Private vom Öffentlichen ab, ermöglichen aber zugleich auch, dass beide Bereiche miteinander verschmelzen. Über diese Janusnatur des Phänomens kann man sich derzeit in der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen Gedanken machen, denn sie zeigt, was die Tür an Assoziationen bei Künstlern unserer Zeit ausgelöst hat: Keine Schwellenangst.

Simon Schubert, Tür, 2012 (Ausschnitt), Mixed Media

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Ohne Luft zum Leben: Die Stadt aus künstlerischer Sicht

Einst war sie ein Magnet, die Stadt, Inbegriff der Kultur und Zivilisation. Stadtluft mache frei, hieß es im Mittelalter, frei von Leibeigenschaft. Die Folge – eine Landflucht und damit eine zunehmende Enge in der Stadt, die alsbald ihr positives Image verlor und zum Moloch wurde. Die Gegenbewegung heute: Stadtflucht. Inzwischen gilt offenbar: Landluft macht frei. Das Kunstmuseum Reutlingen zeigt künstlerische Perspektiven auf das Phänomen Stadt: Urbane Landschaften.

Otto Dix (1891—1969), Der Lärm der Straße, 1920 © VG Bild-Kunst Bonn, 2020

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Gestaltete Bewegung – Tanz in der bildenden Kunst der Moderne in Schloss Dätzingen

Zweihundert Bilder schuf Edgar Degas zum Thema Tanz, bzw. vor allem zum Thema Tänzerin. Doch nur ein Fünftel davon zeigt die jungen Frauen bei der Aufführung auf der Bühne, weit mehr interessierte ihn die Garderobe, der Probenraum, und bei den Tänzerinnen die schleierhaften Tütüs, mehr Farbtraum als Wirklichkeit, weniger der eigentliche Tanz. Der steht im Zentrum einer Ausstellung in der Galerie Schlichtenmaier in Dätzingen: Tanz ist Verwandlung.

Hannes Kilian, Ballettsilhouetten, 1969 © Hannes Kilian /VG Bild-Kunst, Bonn

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Landschaftliche Abstraktion. Die Graphikerin Brigitte Wagner

Es scheint in der bildenden Kunst kaum etwas Gegensätzlicheres zu geben als Landschaftsbild und abstrakte Malerei, eine ganz auf die Natur und ihre Bestandteile konzentrierte Gestaltung und das freie Spiel der Formen und Farben, und doch gibt es durchaus auch Annäherungen, vielleicht sogar Synthesen. So ist ein breiter brauner Querbalken in der unteren Bildhälfte und ein blauer darüber eine abstrakt-konstruktivistische Komposition, wird aber unversehens vom Auge als Landschaft wahrgenommen. Ein ganz anderes Widerspiel von Abstraktion und Landschaft findet sich im Schaffen der Graphikerin Brigitte Wagner.

In winterlicher Landschaft, 1965

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Malereien am Himmel: Wolkenbilder von Künstlern heute

Habe die Wolke dort am Himmel nicht die Gestalt eines Kamels, fragt Hamlet den Haushofmeister Polonius, und der beeilt sich, ihm das zu bestätigen. Oder die eines Wiesels, gar eines Walfischs? Wolken, so Shakespeare in dieser Szene, können dem menschlichen Auge alles sein und sind es doch meist nur in der jeweiligen Sicht des Subjekts. Sie sind wandelbar, stets in Bewegung und scheinen doch formal greifbar, um sich im nächsten Moment wieder zu verwandeln – Symbole des wechselvollen Lebens, des unbestimmbaren Schicksals. Barbara Regina Renftle, die Kuratorin der Biberacher Stiftung S BC – pro arte hat in einem fulminanten Essay das Wolkenhafte ergründet und in der Kunstgeschichte nachgespürt, wie Wolken mal dokumentarisch, mal atmosphärisch, mal symbolisch eingesetzt wurden. Ihre Ausstellung in der Stiftung zeigt künstlerische Wolken aus unserer Gegenwart: „bewölkt“.

Bettina Bürkle, Klaus Illi, Wolkenatem, 2014/2020 © 2020 VG Bild Kunst, Bonn

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„Welt-Kunst“. Fabian Knechts isolationistische Eingriffe in die Realität

1913 montierte Marcel Duchamp ein handelsübliches Fahrrad-Vorderrad auf einen Hocker und erklärte es zum Kunstwerk. Es war das erste Readymade der Kunstgeschichte. Ein Jahr darauf tat er dasselbe mit einem ebenfalls überall erhältlichen Flaschentrockner. Das war der Beginn der Konzeptkunst, und er stellte damit ganz neue Fragen zum Wesen der Kunst. Auch der 1980 geborene Fabian Knecht arbeitet mit dem, was er in der Welt vorfindet, wenn auch in ganz anderer Richtung als Duchamp. Und auch er stellt mit seinen Arbeiten grundsätzliche Fragen, mit denen der Besucher der Kunststiftung Erich Hauser in Rottweil derzeit sein Kunstverständnis hinterfragen kann.

Isolation (48°08’51.4“N 8°38’08.8“E) Fotografien bei Studio Fabian Knecht / Photographs by Studio Fabian Knecht

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Zwischen Provinz- und Weltgeltung: Die Genese des Kunstmuseums Stuttgart

Mit Werken von Willi Baumeister, Otto Dix, Dieter Krieg, Ben Willikens ist das Kunstmuseum Stuttgart ein Haus von internationalem Rang. Sie alle eint jedoch, dass sie mit dem deutschen Südwesten verbunden waren oder noch sind, sei es durch Herkunft, sei es durch ihr Wirken. Und das Museum betont denn auch diesen regionalen Aspekt, auch wenn das Haus mit Künstlern wie Rebecca Horn, Josephine Meckseper oder Michel Majerus wichtige rein internationale Positionen in seinen Aktivitäten berücksichtigt. Der regionale Bezug hat einen Hintergrund, wie jetzt eine Ausstellung im Museum belegt: Der Traum vom Museum „schwäbischer“ Kunst – eine Ausstellung, in der die vergleichsweise kurze Zeit des „Dritten Reichs“ eine bedeutende Rolle spielt.

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Zwischen Realität und Fantasie – die Welt des Linolschneiders Robert Förch

Für viele bedeutet der Linolschnitt eine frühe Schulerinnerung. Das Material lässt sich auch von Kinderhand leicht ritzen, die glatte Oberfläche kann zu allen Motiven genutzt werden im Unterschied zum gemaserten Holz. Aber auch große Künstler haben den Linolschnitt für sich entdeckt – Picasso, Matisse, Karl Rössing. Letzterer brachte in den 50er Jahren an der Stuttgarter Akademie dem jungen Robert Förch diese Technik so nahe, dass er ihr sein künstlerisches Leben gewidmet hat.

Ravennatischer Turm mit Vogelschwarm, 1984. Foto: Julia Lutzeyer

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