Archiv der Kategorie: Kunst

Kunst erleuchtet: Mit der Sammlung des Kunstmuseums Reutlingen „ins Licht“

Der Sammlungsschwerpunkt des Kunstmuseums Reutlingen ist die Druckgraphik, vor allem der Holzschnitt, schließlich hat die Stadt von dem bedeutenden Holzschneider HAP Grieshaber einen repräsentativen Querschnitt durch sein Schaffen erworben. Aber es findet sich auch Malerei in der Sammlung. Ina Dinter, die neue Leiterin des Museums, hat jetzt eine Auswahl aus dem Archiv in einer Ausstellung versammelt, sie gewissermaßen „ins Licht“ geholt, so der Titel, der aber nicht nur die museumsarchivalische Aktion beschreiben soll, sondern auch thematische Leitlinie für die Auswahl war.

Wilhelm Laage, Septemberabend (1924) Foto: Kunstmuseum Reutlingen

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Das Licht und wir: Heinz Mack im Museum Ritter

Als Heinz Mack und Otto Piene sich 1958 in Düsseldorf zur Künstlergruppe ZERO zusammentaten, ging es ihnen um einen Neuanfang in der Kunst, bei dem der Ballast der vorangegangenen Jahrzehnte abgeworfen werden sollte. Das war natürlich mit Blick auf die Nazizeit durchaus politisch gemeint, mit Blick auf Strömungen wie den Expressionismus aber auch rein ästhetisch. So entschieden sie sich für die Nichtfarbe Weiß, mit der Günther Uecker, der alsbald dazustieß, seine Nagelköpfe bemalte, und für das Licht, das Otto Piene mit kinetischen Installationen zu wahren Balletten in Szene setzte. Auch für Heinz Mack war Licht das zentrale Ausdrucksmittel, allerdings setzte er es in einem sehr viel größeren Spektrum ein, wie jetzt eine Retrospektive auf sechzig Jahre seines Schaffens, Mack ist inzwischen neunzig Jahre alt, im Museum Ritter in Waldenbuch deutlich macht: „Werke im Licht (1956-2017)“.

Heinz Mack, Der Künstler im Grand Erg Occidental, 1976 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021; Foto: Thomas Höpker / Archiv Heinz Mack

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Synthese von Glaube und Kunst – Siegfried Haas

Jahrhunderte hindurch prägte die Kirche das Kunstgeschehen. Sie war die wichtigste Auftraggeberin, und folglich bestimmte sie auch die Inhalte der Malerei und Bildhauerei. Doch auch nachdem sich die Künstler von ihrem Handwerkerstatus im Dienst der Kirche emanzipiert hatten und sich um sie sogar ein Geniekult entwickelt hatte, malten sie Motive aus der Bibel. Rembrandt schuf gar einen ganzen Passionszyklus ohne kirchlichen Auftrag, und Rubens dürfte seinen hl. Sebastian in erster Linie für sich gemalt haben. Im 20. Jahrhundert, als sich die Malerei zwischen den Polen gegenständlich und ungegenständlich bewegte, komplizierte sich das Verhältnis zwischen Glaube und Kunst, wie jetzt eine Ausstellung von Plastiken von Siegfried Haas in der Rottweiler Lorenzkapelle zeigt: Kunst und Glaube.

Ecce Homo, 1989, Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Immer an der Wand lang: Wände in der bildenden Kunst

Die Wand ist ein zwiespältiges Phänomen. Auf der einen Seite definiert sie Räume, mithin also auch Geborgenheit, Privatsphäre, sie bietet Sicherheit gegen das unwägbare Draußen. Andererseits schließt sie auch aus, trennt uns von der Welt der anderen, stellt ein Hindernis dar, auch eine psychische Bedrohung weil Einengung, gegen die wir anrennen wollen. Selbst der Schutzaspekt ist eine Medaille mit zwei Seiten. Die Wand bietet die Möglichkeit zur Anlehnung, aber sie stellt auch den letzten Rückzugspunkt dar, wenn wir mit dem Rücken zu ihr stehen. Kein Wunder, dass sie für die Künstler mehr ist als nur ein architektonisches Alltagselement, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart mit dem schlichten Titel Wände/Walls zeigt.

Joseph Kosuth, Wall – One and five (Historical), 1965, Teilansicht. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Fiktionen der Realität – Positionen moderner Fotografie

Wörtlich genommen heißt fotografieren Zeichnen mit Licht. Das klingt nach bildender Kunst. Doch ursprünglich diente die Fotografie dem Ziel, die Realität möglichst exakt abzubilden, exakter und auch „neutraler“, als dies dem Maler vergönnt war, der seit der Erfindung dieses Mediums denn auch von der Aufgabe, die Realität wiederzugeben, befreit war. Dem trägt eine Bemerkung im Leporello zu einer Ausstellung in der Stuttgarter Galerie Schlichtenmaier Rechnung: es sei nicht möglich zu fotografieren, was nicht vor die Linse zu holen ist, heißt es da, um gleich zu korrigieren, das Ergebnis sei dennoch etwas anderes als das Dargestellte. Und der Ausstellungstitel verstärkt diese Korrektur noch: Die Illusion der Realität.

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Zwischen Innen und Außen: Die Tür aus Sicht der bildenden Künstler

Türen sind letztlich stets eine Sache der Perspektive. Man kann durch sie einen Raum, ein Haus betreten, aber auch verlassen. Türen trennen das Innen vom Außen, sie verbinden aber zugleich auch beide Bereiche, sie grenzen, weil man sie verschließen kann, das Private vom Öffentlichen ab, ermöglichen aber zugleich auch, dass beide Bereiche miteinander verschmelzen. Über diese Janusnatur des Phänomens kann man sich derzeit in der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen Gedanken machen, denn sie zeigt, was die Tür an Assoziationen bei Künstlern unserer Zeit ausgelöst hat: Keine Schwellenangst.

Simon Schubert, Tür, 2012 (Ausschnitt), Mixed Media

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Ohne Luft zum Leben: Die Stadt aus künstlerischer Sicht

Einst war sie ein Magnet, die Stadt, Inbegriff der Kultur und Zivilisation. Stadtluft mache frei, hieß es im Mittelalter, frei von Leibeigenschaft. Die Folge – eine Landflucht und damit eine zunehmende Enge in der Stadt, die alsbald ihr positives Image verlor und zum Moloch wurde. Die Gegenbewegung heute: Stadtflucht. Inzwischen gilt offenbar: Landluft macht frei. Das Kunstmuseum Reutlingen zeigt künstlerische Perspektiven auf das Phänomen Stadt: Urbane Landschaften.

Otto Dix (1891—1969), Der Lärm der Straße, 1920 © VG Bild-Kunst Bonn, 2020

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Gestaltete Bewegung – Tanz in der bildenden Kunst der Moderne in Schloss Dätzingen

Zweihundert Bilder schuf Edgar Degas zum Thema Tanz, bzw. vor allem zum Thema Tänzerin. Doch nur ein Fünftel davon zeigt die jungen Frauen bei der Aufführung auf der Bühne, weit mehr interessierte ihn die Garderobe, der Probenraum, und bei den Tänzerinnen die schleierhaften Tütüs, mehr Farbtraum als Wirklichkeit, weniger der eigentliche Tanz. Der steht im Zentrum einer Ausstellung in der Galerie Schlichtenmaier in Dätzingen: Tanz ist Verwandlung.

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Landschaftliche Abstraktion. Die Graphikerin Brigitte Wagner

Es scheint in der bildenden Kunst kaum etwas Gegensätzlicheres zu geben als Landschaftsbild und abstrakte Malerei, eine ganz auf die Natur und ihre Bestandteile konzentrierte Gestaltung und das freie Spiel der Formen und Farben, und doch gibt es durchaus auch Annäherungen, vielleicht sogar Synthesen. So ist ein breiter brauner Querbalken in der unteren Bildhälfte und ein blauer darüber eine abstrakt-konstruktivistische Komposition, wird aber unversehens vom Auge als Landschaft wahrgenommen. Ein ganz anderes Widerspiel von Abstraktion und Landschaft findet sich im Schaffen der Graphikerin Brigitte Wagner.

In winterlicher Landschaft, 1965

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Malereien am Himmel: Wolkenbilder von Künstlern heute

Habe die Wolke dort am Himmel nicht die Gestalt eines Kamels, fragt Hamlet den Haushofmeister Polonius, und der beeilt sich, ihm das zu bestätigen. Oder die eines Wiesels, gar eines Walfischs? Wolken, so Shakespeare in dieser Szene, können dem menschlichen Auge alles sein und sind es doch meist nur in der jeweiligen Sicht des Subjekts. Sie sind wandelbar, stets in Bewegung und scheinen doch formal greifbar, um sich im nächsten Moment wieder zu verwandeln – Symbole des wechselvollen Lebens, des unbestimmbaren Schicksals. Barbara Regina Renftle, die Kuratorin der Biberacher Stiftung S BC – pro arte hat in einem fulminanten Essay das Wolkenhafte ergründet und in der Kunstgeschichte nachgespürt, wie Wolken mal dokumentarisch, mal atmosphärisch, mal symbolisch eingesetzt wurden. Ihre Ausstellung in der Stiftung zeigt künstlerische Wolken aus unserer Gegenwart: „bewölkt“.

Bettina Bürkle, Klaus Illi, Wolkenatem, 2014/2020 © 2020 VG Bild Kunst, Bonn

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