Archiv für den Monat: Juni 2020

Zwischen Natur und Technik – Blütenstillleben in der Gegenwart

Es galt, die Üppigkeit der Blumen möglichst naturgetreu wiederzugeben, und das mit Pinsel und Farbe. Die Niederländer vollbrachten dabei im 17. Jahrhundert wahre Malwunder. Doch die Zeit, in der die Malerei die Realität abzubilden hatte, ist längst Geschichte, und so sollte man meinen, ein Blumenstillleben habe in der Kunst des 20. Jahrhunderts, gar der Gegenwart, keinen Platz. Doch weit gefehlt, wie eine Ausstellung in der Galerie Schlichtenmaier zeigt, die mit einem Hesse-Zitat in ihrem Titel bewusst romantische Assoziationen heraufbeschwört. „Wie Blüten geh’n Gedanken auf“.

Hiroyuki Masuyama, Stillleben (Daniel Seghers No. 01 / 2012), 2012 © Hiroyuki Masuyama / VG Bild-Kunst, Bonn

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Das Bild vom Ich. James Halls Geschichte des Selbstporträts

Eine der schönsten und tiefgründigsten Geschichten zum Selbstbildnis findet sich in der griechischen Mythologie. Der schöne und auf seine Schönheit stolze Narziss weist alle Verehrerinnen ab, blickt eines Tages in eine Wasserquelle und verliebt sich unsterblich in sein Spiegelbild, ohne zu wissen, dass es sein eigenes Gesicht ist, das er sieht. Schließlich ist ausgerechnet das Gesicht, der Spiegel der Seele, aller Welt zugänglich, nur dem nicht, dem es gehört, zumindest nicht ohne Hilfsmittel. Kein Wunder, dass sich gerade Maler diesem Phänomen zugewandt haben, können sie doch sichtbar machen, was das Ich nicht zu sehen bekommt, allerdings im Lauf der Jahrhunderte aus unterschiedlichen Motiven heraus, wie James Hall in einer Studie nachweist: Das gemalte Gesicht.

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Selbstbefragung. Das Selbstbildnis in der Malerei der Gegenwart in Bad Saulgau

In seiner großen Studie über die Geschichte des „gemalten Gesichts“, des Selbstporträts, konstatiert der englische Kunsthistoriker James Hall, im 20. Jahrhundert hätten die Künstler eher eine Scheu gegen die Selbstdarstellung entwickelt. James Ensor habe Masken statt Gesichter gemalt, Picasso sei zumindest dem Selbstbildnisgemälde gegenüber skeptisch gewesen, Happeningkünstler hätten ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und und Fotokünstlerinnen wie Cindy Sherman sich in Rollenspielen durch Verkleidungen und Maskierungen geübt. Eine Ausstellung in Bad Saulgau zeigt, welche Formen dieser eher distanzierte Umgang mit dem eigenen Ich annehmen kann: Selbstbildnisse und andere Rätsel.

Sigrun C. Schlehek, Selbst 5, 2014

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Urquell Farbe: Die Malerin Ida Kerkovius

Wäre sie ein halbes Jahrhundert später zur Welt gekommen, hätte sie möglicherweise eine Professur an einer bedeutenden Kunstakademie erlangt. Doch Ida Kerkovius war Jahrgang 1879, und regulär durften Frauen erst ab 1919 an Kunstakademien studieren. Dennoch hatte sie an der Stuttgarter Akademie schon reüssiert. Kein Geringerer als Adolf Hölzel hatte sie bereits in seiner Malschule in Dachau kennengelernt, in Stuttgart machte er sie 1911 zu seiner Assistentin. Ab 1920 studierte die offenbar unermüdlich Neugierige dann noch am Bauhaus und entwickelte sich zu einer eigenständigen Künstlerpersönlichkeit. Die Staatsgalerie Stuttgart widmet ihr jetzt eine Ausstellung: „Die ganze Welt ist Farbe“.

Abstraktes Stillleben, 1960 © Kerkovius Archiv Wendelstein

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