Archiv für den Monat: Dezember 2019

Tanz als künstlerisches Prinzip: Max Pechstein in der Kunsthalle Tübingen

Vermutlich haben die Menschen schon immer getanzt, wenn ihnen froh zumute war. Bereits Jahrtausende vor Christus finden sich Höhlenmalereien mit Reihentänzen, vermutlich zu kultischen Zwecken. Solche Tänze dürften bereits strukturiert gewesen sein, wie es im klassischen Ballett wohl am ausgeprägtesten zu sehen ist; doch eigentlich ist Tanz ein eher ursprüngliches Verhalten in ausgelassener Stimmung. Kein Wunder, dass gerade die Expressionisten sich davon angezogen fühlten, strebten sie doch ein Leben und eine Kunst in möglichster Natürlichkeit an, wie eine Ausstellung von Max Pechstein in der Kunsthalle Tübingen zeigt.

Max Pechstein,Tanz, 1909 Foto: Roman März© 2019 Pechstein–Hamburg/Tökendorf

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Legaler Schwindel: Op Art und ihre Wurzeln im Kunstmuseum Stuttgart

Höhenangst hat der Held in Alfred Hitchcocks Film Vertigo, und der Meister des Suspense erzeugt im Kinobesucher durch eine raffinierte Kamerafahrt dieselbe psychische Bedrängnis. Hitchcock griff mit solchen filmischen Tricks 1959 für seinen Film auf das zurück, was sich in der Kunst der 50er Jahre großer Beliebtheit erfreute. Die OpArt, wie sie später genannt wurde, bedient sich weitgehend des Mittels der Augentäuschung. Ihre Arbeiten, meist auf zweidimensionalen Bildträgern, gaukeln Räumlichkeit vor, sogar Bewegung. Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt einen Überblick über das Spektrum der Spielarten und zeigt auf, dass wie vieles auch dies keinesfalls eine revolutionär neue Art der Bildherstellung war: Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels.

Marina Apollonio Spazio Ad Attivazione Cinetica 6B, 1966/2015 Museo del Barrio, New York Foto: Lauren Glazer © Marina Apollonio

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Die Offenbarung in der Musik: Le Nozze di Figaro an der Oper Stuttgart

Da sei schon die Revolution am Werk gewesen, meinte Napoleon, bereits im Exil auf St. Helena, über die Komödie Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit von Beaumarchais, schließlich erheben sich darin die Untergebenen eines Adligen gegen dessen Wunsch, ererbte Privilegien durchzusetzen. Wohl kaum ein anderer Komponist als Mozart hätte es gewagt, diese Komödie kurz nach ihrer Uraufführung zu einer Oper zu machen, zumal Beaumarchais‘ Stück in Wien nicht aufgeführt werden durfte. Librettist Lorenzo Da Ponte entschärfte zwar die Brisanz, aber Mozart brachte sie allein durch seine Musik wieder hinein, so der Komponist Hanns Eisler im 20. Jahrhundert. Eine Neuproduktion an der Stuttgarter Oper demonstriert das hinlänglich.

Esther Dierkes (Susanna) und Michael Nagl (Figaro), im Hintergrund: Sarah-Jane Brandon (Gräfin). Foto: Martin Sigmund

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Vom Inhalt beim Tanz. Creations I-III beim Stuttgarter Ballett

Die Keimzelle zu einer neuen Choreographie kann alles sein: eine Zeile in der Zeitung, eine kleine Begebenheit auf der Straße, ein kurzes Musikstück, vielleicht nur ein Klang. Doch welche Funktion haben solche auslösenden Elemente für das vollendete Stück? Sind sie nur Reminiszenz für den Choreographen, oder sind sind sie von zentraler Bedeutung für das Verständnis beim Zuschauer? Drei neue Choreographien am Stuttgarter Ballett entpuppen sich als höchst unterschiedliche Fallstudien zu diesem Thema: Creations I-III.

Elisa Badenes © Stuttgarter Ballett

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