Archiv für den Monat: Mai 2018

Schöpfungen wie aus dem Nichts: Die Farbe Weiß im Museum Ritter

Es sollte ein Neuanfang sein, eine Stunde Null in der Kunst, von der an alles möglich war. So verstanden Otto Piene und Heinz Mack 1958 ihre neue Kunst, die sie ZERO nannten und in deren Zentrum die Farbe Weiß stand – die Farbe bzw. das Licht. Ein besseres Medium hätten sie nicht wählen können, als sie ein Gegengewicht gegen den Ballast der Vergangenheit suchten, denn Weiß gilt – zumindest in unserem Sprach- und Kulturraum als Symbol der Reinheit, der Unschuld und Unendlichkeit (im Unterschied etwa zum Buddhismus, wo Weiß für Trauer steht, und zu China, wo Weiß Symbol für Herbst und Alter ist). Weiß zählt mit Schwarz zu den unbunten Farben, wobei der Begriff Farbe durchaus zutrifft, denn physikalisch ist Weiß die Addition von Rot, Grün und Blau in jeweils gleichen Intensitäten. Insofern könnte man bei Weiß auch von einem Höchstmaß an Möglichkeiten reden. Das Museum Ritter in Waldenbuch zeigt ein Spektrum dieser Möglichkeiten – natürlich, wie stets in diesem Haus – im Quadrat.

Günther Uecker, Spirale, 2002 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

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Untergang als Comic: Sebastian Baumgarten inszeniert Salome am Schauspiel Stuttgart

Wenn man Vorgeschichte als Omen begreift, dann stand diese Figur unter einem bösen Stern. Salome war die Enkelin jenes Herodes, der für den bethlehemitischen Kindermord verantwortlich war, und sie war eine Tochter der Herodias, die in zweiter Ehe mit dem Bruder ihr ersten Mannes verheiratet war – auch er ein Herodes, was den Widerspruch des Propheten Johannes hervorrief. Was kann da schon Gutes entstehen? Und so wurde Salome denn auch zum Inbegriff des verführerischen Frau, die mit einem Schleiertanz ihren Stiefvater dazu bringt, ihr das Haupt des von ihr geliebten Propheten Johannes zu liefern. Die Erzählung findet sich in der Bibel, nicht jedoch der Name dieser Prinzessin. 1893, in der Blütezeit des Fin de Siècle, das eine besondere Vorliebe für die Laszivität dieser Figur hatte, veröffentlichte Oscar Wilde sein Drama um diese Prinzessin, hundert Jahre danach bearbeitete Einar Schleef das Stück und betonte vor allem eine krude Sexualität. Jetzt hat Sebastian Baumgarten diese Version am Schauspiel Stuttgart inszeniert.

Christian Czeremnych, Julischka Eichel, Horst Kotterba, Sebastian Röhrle. Foto: Birgit Hupfeld

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Unmögliche Räume: Martin Kaspers „Architekturmalerei“

My home is my castle – der englische Spruch verrät Stolz und ein Gefühl der Sicherheit. Die Welt da draußen ist voller Gefahren – fremd, bedrohlich. Der Rückzug ins Innere, ins Eigenheim verspricht Vertrautheit, Wärme, Zuflucht. Aber das Innen kann auch Gefängnis sein. Piranesis Radierungen der Carceri wurden gedeutet als Alptraumwelten, die Räume bei Max Beckmann verbreiten eine Stimmung des Unbehagens. Auch Martin Kasper malt Innenräume. Bei ihm sind es Symbole der Verunsicherung, dabei wirken sie auf den ersten Blick ganz „normal“.

Schusev 1, 2017 © VG Bild-Kunst Bonn, 2018. Foto: Bernhard Strauss

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Kunst als Herausforderung: Olaf Metzel im Spendhaus in Reutlingen

Er mischte sich ein, bezog Stellung. Der Maler Jerg Ratgeb engagierte sich für die Bauern im Bauernkrieg und musste das mit dem Leben bezahlen. Das war 1526. 450 Jahre danach setzte ein anderer Künstler, der sich gleichfalls für Gerechtigkeit und Freiheit engagierte, diesem Künstler ein Denkmal. HAP Grieshaber rief den Jerg-Ratgeb-Preis ins Leben. Damit sollte nicht unbedingt politische Kunst ausgezeichnet werden, wie man vermuten könnte, sondern generell ein künstlerisch bedeutendes Lebenswerk. Mit dem jüngsten Preisträger hat diese Ehrung allerdings wieder die Komponente, die das Werk des Stifters auszeichnet. Olaf Metzel, seit 1990 Professor für Bildhauerei in München, versteht Kunst als ästhetische Äußerungsform, die zugleich politische Stellungnahme ist: Kunst als eine Form der Provokation. Die den Preis begleitende Ausstellung im Reutlinger Spendhaus macht das deutlich.

13.4.1981, 1986 © VG Bild-Kunst Bonn, 2018

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Pure Farbe als Gestaltungmittel: Emil Noldes Arbeiten auf Papier

Er war der große Blumenmaler der Kunstgeschichte: Emil Nolde vermochte auf seinen Bildern, Blumen eine strahlende Leuchtkraft zu verleihen, die die Fähigkeit der Natur noch übertraf; seinem großen Motiv zuliebe legte er sich in seinem Haus in Seebüll an der dänischen Grenze ein blühendes Paradies an. Dass er mehr als nur ein Blumenliebhaber war, hatte bereits vor einem starken Jahr eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg gezeigt. Den „ganzen“ Nolde zeigt jetzt auch die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn, obwohl sie sich auf Arbeiten auf Papier beschränkt, vor allem Aquarelle, und kann gerade mit dieser Beschränkung noch einen weiteren wesentlichen Aspekt seines Schaffens verdeutlichen.

Zugspitze und die beiden Waxensteine. Bergpostkarte Nr. 21, um 1895/96 © Nolde-Stiftung, Seebüll

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