Archiv für den Monat: Februar 2019

Von der Straße ins Museum: Die Plakatkultur im Paris des Fin de Siècle

Als Josef von Sternberg 1930 Heinrich Manns Roman Professor Unrat verfilmte, ließ er sich von den Plakaten inspirieren, die Ende des 19. Jahrhunderts in Paris zu künstlerischer Blüte gelangten. Marlene Dietrich legt da, wenn sie sich singend als fesche Lola vorstellt, auf einem Kneipenfass sitzend lasziv die Beine übereinander – genauso wie es Jane Avril, die berühmte Tänzerin in Paris, auf einem Plakat tut, das Toulouse-Lautrec für sie 1893 geschaffen hatte. Und der Filmregisseur hatte seine Anregung an der richtigen Stelle gefunden, denn in jenen Jahren entfaltete die bis dahin rein pragmatischen Zwecken dienende Plakatkunst einen künstlerischen Reichtum sondergleichen, und das nicht nur mit dem berühmtesten dieser Künstler, Toulouse-Lautrec. Die Galerie Stihl in Waiblingen zeigt nun die ganze Bandbreite dieses Kulturrauschs: La Bohème. Toulouse-Lautrec und die Meister von Montmartre.

Henri de Toulouse-Lautrec. Ambassadeurs: Aristide Bruant, 1892© Foto: Musée d’Ixelles-Bruxelles, Courtesy Institut für Kulturaustausch, Tübingen 2018

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Vom Nesenbach an die Ilm: Was Adolf Hölzel mit dem Bauhaus zu tun hat

Die klare Linie, der praktische Umgang mit industriell gefertigten Materialien, das nützliche und zugleich ästhetische Design und vor allem die Architektur – wenn der Name Bauhaus fällt, drängen sich meist unvermittelt diese Vorstellungen auf. Schon die Tatsache, dass der Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, eng mit Henry van de Velde zusammenarbeitete, dem die Verschönerung der Lebenswelt in allen Bereichen am Herzen lag, zeigt, dass hier Kunst nicht als ästhetische Instanz erneuert werden sollte, sondern als Instanz des Lebens. So ist das Bauhaus nicht zuletzt dank der so unterschiedlichen Künstler, die als Lehrer wirkten, ein Quell der Vielfalt. Eine Ausstellung der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart regt an, das enge Bauhausbild zu revidieren, auch wenn sie den Blick nicht nach Weimar richtet, sondern nach Stuttgart: Von Hölzel zum Bauhaus.

                                                        Johannes Itten. Form auf Gelb, 1961

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Kunst entsteht im Kopf: Marcel Duchamp in der Staatsgalerie Stuttgart

Ein „Markenzeichen“ eines Künstlers liefert eine Handhabe, mittels derer man sich einem komplexen Werk nähern kann. Doch ein Markenzeichen ist zugleich eine Reduktion, denn es simplifiziert, bringt auf einen Nenner, was vom Wesen doch vielschichtig sein sollte. So erging es einem der radikalsten Neuerer in der Kunst des 20. Jahrhunderts: 1913 montierte Marcel Duchamp ein handelsübliches Fahrrad-Vorderrad auf einen Hocker und erklärte es zum Kunstwerk. Es war das erste Readymade der Kunstgeschichte. Noch größere Popularität erlaubte sein Urinal. Doch Duchamp revolutionierte nicht nur den Kunstbegriff, sondern das Wesen von Kunst insgesamt, wie jetzt eine Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart zeigt.

Eingang zur Ausstellung

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Vom Reden und vom Leben. Nis-Momme Stockmanns neues Theaterstück: Das Imperium des Schönen

Ein Sprachkunstwerk ist eine Herausforderung für die Fantasie. In der erzählenden Literatur muss sich der Leser mit seiner Vorstellungskraft ausmalen, wie die Figuren aussehen, sich bewegen, dafür kann ihm das Innenleben der Figuren unmittelbar nahegebracht werden. In der dramatischen Literatur ist Aussehen und Aktion optisch vorgegeben, dafür muss der Besucher das Innenleben anhand der Worte und Aktionen deuten. Genau darauf setzte Tina Lanik in ihrer Inszenierung von Nis-Momme Stockmanns neuem Theaterstück Das Universum des Schönen und kam dem Wesen dieses Stücks damit vielleicht besonders nahe, das der Autor als Hommage an das Konversationsstück bezeichnet hat.

Daniel Fleischmann, Marco Massafra, Katharina Hauter, Marielle Layher, Martin Bruchmann, Nina Siewert. Foto: Björn Klein

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