Archiv für den Monat: Januar 2019

Beklemmende Welt im Biedermeiergewand. Karen Duves Roman über die junge Annette von Droste-Hülshoff

Ihr genügten Kleinigkeiten – Blätter, Farben, Töne, und Annette von Droste Hülshoff entdeckte in ihnen Geheimnisse. In der Natur und der Landschaft, zumal der ihrer westfälischen Heimat, suchte sie nicht ihr eigenes Ich, vielmehr spürte sie dem Eigenleben der Welt nach und entdeckte immer wieder tiefere Zusammenhänge. Im Alltag war die stets kränkelnde Annette nicht so feinfühlig. So weigerte sie sich, ihrem Onkel Werner von Haxthausen ihren ersten Gedichtband zuzusenden, denn er würde ja doch alles nur niedermachen, „dass es kein Schwein fressen sollte“, und den Schreibstil eines Kunsthistorikers verglich sie mit den „sieben mageren Kühen des Pharaos“. Lag es daran, dass sie nie geheiratet hat, weil sie die Männer abschreckte, oder steckt hinter dieser Ehelosigkeit ein tieferes Geheimnis? Das deutet Karen Duve in ihrem neuen Roman an.

Karen Duve. Fräulein Nettes kurzer Sommer. Roman. Galiani Verlag Berlin. 592 Seiten

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Meister der Schattierung: Der Radierer Felix Hollenberg

Ausgerechnet einer der größten Maler der Kunstgeschichte ebnete der Radierung den Weg in die Hochkunst, denn jahrhundertelang galt sie lediglich als Reproduziertechnik großer Gemälde, mithin also als Kunst eher zweiter Klasse. Rembrandt experimentierte und brachte in die eigentlich auf reine Strichgrafik beschränkte Technik geradezu malerische Qualitäten ein. Dennoch war es noch bis ins 20. Jahrhundert ungewöhnlich, dass sich ein Künstler ganz dieser Technik verschrieb. Felix Hollenberg, Jahrgang 1868, tat es und ging so hochverdient in die Kunstgeschichte ein. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Albstadt ehrt ihn mit einer großen Retrospektive – mit gutem Grund, verfügt es doch über den größten Hollenbergbestand überhaupt.

Heide mit Birken, 1890, Ätzradierung. Kunstmuseum Albstadt, Felix Hollenberg-Archiv Foto: Lengerer,Albstadt

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Es werde Licht: Lichte Momente im Stadthaus Ulm

Es ist das in unserem Sprachraum am positivsten besetzte Phänomen. Wann immer das Wort Licht auftaucht, blitzen Konnotationen von Helligkeit auf, damit verbunden Erhellung, Aufklärung, Wissen. Finster ist das Böse, die Unvernunft. Physikalisch ist das schwer erklärbar, denn Licht hat mit strahlender Helle nichts zu tun, Licht ist reine Energie, als solche nicht sichtbar. In einer Ausstellung im Stadthaus Ulm kann man diesem Widerspruch nachspüren, sie zeigt Lichte Momente.

Julius von Bismarck, Talking to Thunder (Palm tree), 2017

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