Archiv für den Monat: November 2017

Deutsche Wurzeln: Samuel Beckett im Literaturmuseum der Moderne

Er ist der am zweithäufigsten aufgeführte französische Autor außerhalb von Frankreich, auch wenn er auf unseren Bühnen nicht mehr so oft anzutreffen ist wie in den 80er oder 90er Jahren: Samuel Beckett. Dabei war er Brite, nahm die irische Staatsbürgerschaft an und schrieb zunächst in seiner Muttersprache, bis er sich ganz der französischen Sprache zuwandte und seine Werke erst dann selbst ins Englische übertrug. Frankreich also prägte ihn, auch James Joyce, von dem er einige Texte ins Französische übersetzte. Eine Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zeigt, dass die vielleicht wesentlichsten Impulse für sein Denken und Schaffen deutschen Ursprungs sind: German fever.

German Diaries, Notebook 3, 6.-7. Februar 1937 (Foto: DLA Marbach)

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Farbe, was bist du? Rupprecht Geiger im Schauwerk Sindelfingen

Es gibt Künstler, die der Kenner geradezu spontan mit einer bestimmten Farbe in Verbindung bringt. Bei Yves Klein ist es das Blau, bei Vincent van Gogh das leuchtende Chromgelb, bei Rupprecht Geiger ist es das Rot, genauer: Pink – auch für einen Maler des 20. Jahrhunderts eine ungewöhnliche Farbe, zumal Geiger Jahrgang 1908 war und seine Farbe lange vor der Erfindung der Neonfarben fand, wie man sie von Textmarkern kennt, die ja auch nicht selten Striche in Pink von sich geben. Wenn jetzt das Schauwerk in Sindelfingen eine Ausstellung unter den Titel Pinc kommt! stellt, dann kann es sich nur um Rupprecht Geiger handeln und dann ist garantiert, dass der Ausstellungsbesucher mit intensiven Seherlebnissen konfrontiert wird.

Pinc kommt, 1995 Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Tierisches – allzu Menschliches. Die Skulpturen von Thomas Putze

Erkenne dich selbst, soll über dem Apollotempel in Delphi gestanden haben. Doch damit tun die Menschen sich schwer, Selbstverblendung scheint ihnen eher gemäß, zumindest ist sie bequemer. Es bedarf meist eines Anstoßes von außen. Die Literatur kann ein Mittel hierfür sein, eine Figur wie Till Eulenspiegel trug zu diesem Behufe einen Spiegel bei sich, den er den Menschen vorhielt. Der Fabeldichter La Fontaine bediente sich der Tiere, um den Menschen ihre Mängel vor Augen zu führen, bildende Künstler erfanden Bestiarien – der Bildhauer Thomas Putze hat eines aus Holz mit der Kettensäge in die Welt gesetzt.

 

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Zwischen Wahrheit und Dichtung: Die Familie unter Literaten

Sie kann den Inbegriff von Nähe ausdrücken, die Familie, eine eng verschworene Gemeinschaft aus Mutter, Vater und Kindern – und allen Anverwandten. Doch da kann die eng verschworene Gemeinschaft auch schon aufhören. Familie kann ein Idealbild sein oder eine Zwangsveranstaltung, eine Zweckgemeinschaft oder Wesensverwandtschaft, auf jeden Fall kann man sie sich nicht aussuchen, sie wird einem geschenkt oder man ist zu ihr verurteilt. Für Schriftsteller ist sie ein Quell an Fakten, Inspirationen und Bildern. Das Deutsche Literaturarchiv spürt in einer Ausstellung der Bedeutung des Phänomens für die Literatur nach.

Stammbaum der Familie Mörike (Foto: DLA Marbach)

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Geschichten aus dem Bürgertum: Der Maler Johann Baptist Pflug

Drei Kunststile beherrschten den Beginn des 19. Jahrhunderts, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – der Klassizismus, die Romantik und das Biedermeier. Ihre zu ihrer Zeit bedeutenden Vertreter aber sind heute weitgehend vergessen: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein ist nur noch durch sein Porträt von Goethe in der Campagna ein Begriff, Otto Philipp Runge möglicherweise durch einige Kinderporträts und Joseph Anton Koch durch die eine oder andere Gebirgslandschaft. Allzu schnell wurden diese Künstler durch die mit dem Impressionismus einsetzende Moderne mit einem ganz anderen Bildbegriff verdrängt – ein Schicksal, das auch den Biberacher Maler Johann Baptist Pflug ereilte. In letzter Zeit freilich scheint sich eine Neubewertung seiner Malerei anzubahnen, wie ein Werkverzeichnis und mehrere Einzelausstellungen in Biberach und Meßkirch gezeigt haben.

Selbstbildnis mit Ehefrau Theresia, um 1840

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