Archiv für den Monat: Januar 2020

Ein Umweltproblem als Kulturgut betrachtet: Die Plastiktüte

Plastik ist ein nützliches Material: leicht, variabel einsetzbar, haltbar – aber auch ein Problem. Allein mit den in einem Jahr weltweit benutzten Plastiktüten könnte man die Erde 10.000 mal umwickeln, und ein Großteil davon landet unter anderem im Meer und in den Fischmägen. Grund für die Bundesregierung, zumindest die Plastiktragetaschen verbieten zu wollen, ein Gesetz ist in Vorbereitung. Das Landesmuseum Stuttgart startet jetzt schon eine Art Nachruf: Adieu Plastiktüte heißt eine Ausstellung in der Dependance des Hauses in Waldenbuch, dem Museum der Alltagskultur. Anlass: Zwei gigantische Privatsammlungen solcher Produkte, die dem Museum zur Verfügung gestellt wurden.

Einkaufstüte: „Aldi Nord“ 1970er Jahre. Entwurf von Günter Fruhtrunk

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Hommage an das künstlerische Material: Felix Schlenker zum 100. Geburtstag

Spurensicherung nannte man in den 70er Jahren eine Form der Konzeptkunst, bei der die Künstler wie Archäologen oder Soziologen vorgingen. So arbeitete Christian Boltanski – bezeichnenderweise Bruder eines Soziologen – in Installationen seine Kindheit mithilfe von Erinnerungsstücken auf, Nikolaus Lang sammelte Hunderte von Gegenständen eine bayrischen Familie. Aber schon Jahrzehnte davor hatte ein Künstler in Villingen-Schwenningen (damals noch Schwenningen) eine Spurensuche künstlerischer Art entwickelt: Felix Schlenker, zu dessen 100. Geburtstag die Städtische Galerie in seiner Heimatstadt eine Ausstellung zeigt.

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Zwischen Kirche und Gesellschaft: Künstler der fünf Donaustädte in Bad Saulgau

Vielleicht war es Unkenntnis, vielleicht der Wunsch, administratorische Ordnung im fernen Süddeutschland herzustellen: Jedenfalls wurden die Städte Mengen, Munderkingen, Saulgau, Riedlingen und Waldsee in den habsburgischen Kanzleien in Wien als Donaustädte geführt, auch wenn nur zwei von ihnen an diesem Fluss liegen. Aber auch die Städte dürften sich zumindest als eine Art Einheit gefühlt haben, denn gemeinsam kauften sie sich von dem Truchsessen von Waldburg los, an den die Habsburger sie verpfändet hatten. Eine Ausstellung in der Städtischen Galerie in Bad Saulgau erinnert an diese Zeit und macht deutlich, dass es den Städten, auch wenn die Habsburger immer wieder versuchten, in ihre Belange einzugreifen, nicht schlecht ging, denn es blühte die Kunst.

Josef Anton Mesmer, Bildnis Franz Jakob Blaicher, 1780

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Fotografische Philosophie des Gegenwärtigen im Kunstmuseum Reutlingen / konkret

Die Fotografie ist ein Medium des Augenblicks, zumal der Schnappschuss hält im Bruchteil einer Sekunde eine Situation fest, kann somit als Inbegriff des Gegenwärtigen gedeutet werden. Wenn nun das Kunstmuseum Reutlingen Fotografie des Gegenwärtigen präsentiert, suggeriert sie freilich, dass dies eher die Ausnahme wäre – und hat nicht ganz unrecht damit: Auch wenn das Foto einen kurzen Situationszustand festhält, präsentiert es uns damit stets Vergangenes, denn dieser Moment der Aufnahme ist Geschichte. Wie also kann Fotografie dennoch den Ausdruck des Jetzt beinhalten?

Barbara Probst, Exposure # 60: Munich, Waisenhausstrasse 65, 08. 26. 08, 2008 © VG Bild-Kunst Bonn, 2019

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