Archiv für den Monat: April 2018

Freiheit – eine Illusion: Gefängnis auf der Bühne der der Oper Stuttgart

Sprecht leiser, haltet euch zurück, ihr seid belauscht mit Ohr und Blick“ warnt ein Gefangener in Beethovens Fidelio seine Mithäftlinge in einem kurzen Augenblick, in dem sie ans Tageslicht dürfen, ehe sie wieder zurück in die dunklen Zellen müssen. Dennoch steht am Ende eine große Befreiung, obwohl zunächst alles dagegen spricht. Eine Befreiung scheint dagegen in greifbarer Nähe in Luigi Dallapiccolas 1949 entstandener Oper Der Gefangene, und auch in der 2006 uraufgeführten „nächtlichen Szene“ Das Gehege von Wolfgang Rihm scheint es zunächst um Befreiung zu gehen, und doch ist am Ende Freiheit unerreichbar. Die Oper Stuttgart hat nun beide Kurzopern zu einem Abend verbunden.

John Graham-Hall (Der Kerkermeister / Der  Großinquisitor), Georg Nigl (Der Gefangene)
Foto: Bernd Uhlig

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Achtung vor dem Anderen: Das Christentum in Indien

Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker – die katholische Kirche nahm diese Aufforderung Christi, wie sie im Matthäusevangelium zu lesen ist, sehr genau und vor allem wörtlich. Das Ziel der Missionsarbeit war in der Tat, die ganze Welt dem Christentum zuzuführen – wenn nötig auch mit Gewalt, nicht zuletzt, weil diese Missionsarbeit nicht selten einherging mit der politischen Unterwerfung Afrikas oder Lateinamerikas durch die Kolonialstaaten. So hat die Mission, so gut sie gemeint war, nicht selten einen bitteren Beigeschmack, zumal wenn von Zwangsmission die Rede ist oder von Massentaufe. Dass es auch anders gehen kann, zeigt jetzt eine Ausstellung im Rottenburger Diözesanmuseum.

 

 

Peter Paul Rubens (Maler), Marinus Robyn van der Goes (Stecher). Die Wunder des hl. Franz Xaver in Indien. 1633–35.

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Licht im Dunkel: Der Maler Hermann Pleuer

Ein Gemälde gab der Kunstrichtung den Namen: Impression – Soleil levant. Claude Monet vereinte da die großen Elemente, aus denen sich der Impressionismus zusammensetzte: Den Eindruck, den die Welt im Auge hinterließ, und das Licht. Duftige Himmelsbilder entstanden auf diese Weise, helle Farben dominierten, auf Schwarz oder Dunkelbraun verzichtete man gern, alles atmete eine Leichtigkeit des Seins. Nicht so bei den Künstlern, die sich im Schwäbischen dem Impressionismus verschrieben. Hier sucht man den Himmel oft vergebens, auf ihren Bildern taucht man oft in dunkle Waldszenen ein, erdige Farben dominieren, aber auch die Technik, die Farbflächen in einzelne Farbstriche und -flecken aufzulösen. Das Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd zeigt einen Extremfall dieser ganz eigenen Richtung: Hermann Pleuer.

Mädchen am Fenster, 1894

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Vom Realen zum Möglichen: Künstler schaffen Räumlichkeiten

Es ist die große Domäne aller Kunst: Tun zu können „als ob“. Mag ein Gemälde der Außenwelt auch extrem nahe kommen wie in der Trompe l’oeil-Malerei, so bleibt sie doch eine Sphäre sui generis. Ganz anders die Architektur: Sie bedient sich des Als-ob, einer Zeichnung oder eines Modells als Vorstufe, doch ihre vornehmliche Arbeit findet im Bereich des Realen statt und muss den Gesetzen dieser Sphäre gehorchen. Wie es aussieht, wenn sich Künstler mit dem befassen, was die Architekten herstellen – Räumlichkeiten jeder Art – zeigt eine Ausstellung im Kunstwerk in Eberdingen.

Sinta Werner, Die szenische Auflösung I, 2013

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Kunst gebiert Kunst: Albert Weisgerber in der Kunststiftung Hohenkarpfen

Im 16. und 17. Jahrhundert war es für Künstler nördlich der Alpen ein Muss, nach Italien zu reisen und sich an der dortigen Kunst zu schulen. Was einem Dürer und Rubens die Mittelmeerwelt war, bedeutete für die Künstler im 19. Jahrhundert Frankreich, vor allem Paris. Hier holte man sich Inspirationen von den gerade herrschenden neuen Stilen – dem Impressionismus, dem Pointillismus -, vor allem aber von einzelnen Künstlerpersönlichkeiten wie Cézanne oder van Gogh. Diesem Drang konnte sich auch der 1878 geborene Bayer Albert Weisgerber nicht entziehen. Er ließ sich anregen, kopierte auch, und entwickelte daraus einen ganz eigenen Stil.

Der Maler und die drei Grazien, 1910

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Ja – aber: Minimal Art heute in der Kunsthalle Tübingen

Objektiv sollte sie sein, klar, schematisch, vor allem bar jeder Persönlichkeit – die Künstler der Minimal Art strebten in den 60er Jahren eine radikale Abkehr von der extrem subjektiven Kunst der abstrakten Expressionisten an, die spontan ihr Innerstes im Augenblick des Malens auf die Leinwand brachten. Die Folge: Reduzierung auf einfachste geometrische Formen, Vermeidung jeder persönlichen Handschrift, Verwendung industriell genormter Materialien. Das sollte die Konzentration schärfen und den Betrachter auf seine eigene Wahrnehmung lenken. Solche Zielsetzungen faszinieren auch heute noch, auch die Reduzierung auf einfache Formen, und doch ist das, was Künstler heute unter Bezugnahme auf die Minimal Art herstellen, etwas radikal anderes, wie eine Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen zeigt.

Beate Terfloth Neonkreis I, 2015

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