Archiv für den Monat: November 2022

Zu wenig Hoffmann: Edward Clugs Nussknacker am Stuttgarter Ballett

Vor sechzig Jahren schuf Jürgen Rose in Stuttgart das Bühnenbild zu John Crankos Ballett Romeo und Julia. Es war der Auftakt zu einer intensiven Zusammenarbeit mit diesem inzwischen legendären Choreographen bis zum frühen Tod von Cranko und der Beginn einer Weltkarriere des Bühnen- und Kostümbildners Rose. Jetzt hat er mit Tschaikowskys Nussknacker wieder Bühnenbild und Kostüme für das Ballett in Stuttgart kreiert – und auch mit 85 Jahren ist die Fülle seiner kreativen Fantasie grenzenlos.

Ensemble © Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

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Bildhauerei? Kubus. Sparda-Kunstpreis 2022

Sie zählt zu den ältesten erhaltenen Kunstwerken überhaupt – die Skulptur, nicht zuletzt, weil sie bereits in der Antike aus Stein hergestellt wurde, daher auch der Begriff, abgeleitet vom lateinischen Verb für „schnitzen“ oder „meißeln“. Nicht durch „Abtragung“ von Material, sondern durch aufbauendes Hinzufügen entstehen Plastiken. Beiden gemeinsam: sie sind raumgreifend, dreidimensional. Im 20. Jahrhundert hat sich das Formen- und Materialspektrum erweitert bis hin zu den Readymades aus Alltagsobjekten eines Marcel Duchamp. Für den alle zwei Jahre verliehenen Sparda-Kunstpreis Kubus wurde diesmal das Thema „Zeitgenössische Bildhauerei“ vorgegeben. Das Kunstmuseum stellt drei Positionen vor: Ulla von Brandenburg, Camill Leberer, Ülkü Süngün.

Camill Leberer. Glashaut, 2019–2020. Foto: Frank Kleinbach © VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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Kunstgeschichtlicher Parforceritt: „Mit Blick auf Adolf Hölzel“ im Kunstmuseum Reutlingen

Es gab in der Malerei des 20. Jahrhunderts viele Wege in die Abstraktion, präziser: die ungegenständliche Kunst. 1915 präsentierte Kasimir Malewitsch revolutionär nichts als ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund, wenige Jahre danach befand Theo van Doesburg, nur Linie, Farbe und Fläche seien die wesentlichen Elemente der Malerei. Andere Künstler gingen von der gegenständlichen Malerei aus und fanden zur Überwindung des Gegenstands durch Abstrahierung. So etwa Adolf Hölzel, der von 1905 an als Professor an der Stuttgarter Kunstakademie die Gesetzmäßigkeiten von Farbe, Linie und Form analysierte und seinen Schülern beibrachte. Von ihm ausgehend versucht nun das Kunstmuseum Reutlingen „zwei Entwicklungslinien der Kunstgeschichte nachzuzeichnen“, die von der auf der „Figur basierenden gegenständlichen Kunst über die Abstraktion zur ungegenständlichen Kunst führen“, so der zentrale Satz eines einführenden Wandtextes.

Adolf Hölzel, Figurenkomposition, um 1925-30. Foto: U. Schäfer-Zerbst

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Chemie als Lebenselixier: Donizettis L’Elisir d’Amore an der Oper Stuttgart

Diese Oper ist eine Herausforderung an Regisseure, denn streng genommen bietet sie nicht viel, zumindest an Handlung. Ein Dorf in der Provinz, die kokette Pächterin Adina, der fahrende Händler Dulcamara, Belcore, ein Militärsergeant, und Nemorino als „Held“, den alle für einen Trottel halten – kein Wunder, dass Regisseure sich immer wieder bemüht sehen, Donizettis Oper Der Liebestrank in ein anderes Ambiente zu verlegen: Von einem Badestrand bis zu einem Wellnesshotel war alles dabei; Rolando Villazón ließ die Geschichte in seiner Inszenierung im Baden-Badener Festspielhaus an einem Westernfilmset spielen mit Adina als Filmstar und Nemorino als kleinem Komparsen.

Laia Vallés (Gianetta), Claudia Muschio (Adina), Staatsopernchor Stuttgart. Foto: Martin Sigmund

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