Archiv der Kategorie: Ballett

Ballett trotzt Corona: Response I beim Stuttgarter Ballett.

Körperliche Nähe und Distanz sind im Ballett wesentliche Ausdrucksmittel für die Beziehungen zwischen Figuren/Menschen. Nähe ist freilich in Zeiten von Corona nicht möglich. Abstand kann ebenfalls ein Mittel zum Ausdruck zwischenmenschlicher Beziehungen sein, doch wenn Abstand vorgeschrieben ist, dann fällt dies weg. Bleiben nur noch Soli für das Ballett im Augenblick? Ein neues Programm des Stuttgarter Balletts zeigt, was alles möglich, aber auch, was möglicherweise neu ist: Response I, die Stuttgarter Ballettantwort auf Corona.

Agnes Su © Stuttgarter Ballett 

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Einsam oder gemeinsam? Creations IV-VI am Stuttgarter Ballett

 

Douglas Lee und Louis Stiens sind dem Stuttgarter Ballettpublikum bestens bekannt. Beide sind beliebte Tänzer in der Compagnie und beide arbeiteten schon unter der Direktion von Reid Anderson als Choreographen für das Ballett. Jetzt hat der neue Direktor Tamas Detrich beide mit neuen Arbeiten beauftragt. Zum Trio ergänzt werden sie durch einen Star des Abends, der unter anderem das Ballett am Rhein zu internationalem Erfolg geführt hat und demnächst das Ballett der Wiener Staatsoper übernehmen wird. In Stuttgart ist Schläpfer ein Neuling, auch wenn er als junger Tänzer einmal kurz bei der Ballettdirektion angeklopft hatte.

Miriam Kacerova, Roman Novitzky © Stuttgarter Ballett

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Vom Inhalt beim Tanz. Creations I-III beim Stuttgarter Ballett

Die Keimzelle zu einer neuen Choreographie kann alles sein: eine Zeile in der Zeitung, eine kleine Begebenheit auf der Straße, ein kurzes Musikstück, vielleicht nur ein Klang. Doch welche Funktion haben solche auslösenden Elemente für das vollendete Stück? Sind sie nur Reminiszenz für den Choreographen, oder sind sind sie von zentraler Bedeutung für das Verständnis beim Zuschauer? Drei neue Choreographien am Stuttgarter Ballett entpuppen sich als höchst unterschiedliche Fallstudien zu diesem Thema: Creations I-III.

Elisa Badenes © Stuttgarter Ballett

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Das Problem mit dem Alter: Neues Publikum für alte Musik?

Die Haarfarbe bei klassischen Musikveranstaltungen ist weitgehend grau bis weiß, sofern sich überhaupt noch Haare auf den Häuptern beflnden. 2007 war mehr als die Hälfte der Besucher von Klassikkonzerten über sechzig, nur acht Prozent unter dreißig, und der Trend dürfte sich in den letzten zehn Jahren noch verschärft haben. 1980 lag der Altersdurchschnitt noch bei vierzigJahren. Das Publikum der Klassik stirbt aus – Grund genug für dieVeranstalter, sich neue Formen auszudenken, um alternativePublikumsgruppen für die Klassik zu interessieren.

Staatsorchester Stuttgart © Sebastian Klein

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Drei Gründe, atemlos zu werden: Ein neues Programm beim Stuttgarter Ballett

Seit lange Handlungsballette eher die Ausnahme sind, haben es Ballettdirektoren nicht leicht, sinnvolle Stückzusammenstellungen auf die Bühne zu bringen. Dem langjährigen Stuttgarter Ballettintendanten Reid Anderson ist das in zunehmendem Maße gelungen. So fügten sich einmal höchst unterschiedliche Choreographien zu einem in sich geschlossenen Abend voller Nachtvisionen zusammen. Sein Nachfolger Tamas Detrich führt diese Tradition fort, wählte bisher für seine Abende aber eher vordergründige Themen, was dennoch der Wirkung keinen Abbruch tun muss. Für Shades of White vereinte er moderne Stücke mit dem alten Glanz von weißem Tütü und Spitzentanz, für seinen neuen Abend wählte er das Epitheton Atem-Beraubend.

Itzik Galili, Hikarizatto. Tänzer:  Jason Reilly, Alicia Amatriain © Stuttgarter Ballett

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Psychogramm oder Historiendrama? Kenneth MacMillans Mayerling am Stuttgarter Ballett

Was genau geschah am 30. Januar 1889 im Jagdschloss Mayerling hätte nach dem Willen des österreichischen Kaiserhauses nie an die Öffentlichkeit dringen sollen. Fest steht, dass Kronprinz Rudolf mit einem Kopfschuss tot aufgefunden wurde, neben ihm ebenfalls erschossen seine blutjunge Geliebte Mary Vetsera, sehr wahrscheinlich von ihrem Geliebten getötet. Rudolf war ein zerrissener Charakter, möglicherweise durch die sadistische Erziehung durch einen Major psychisch gebrochen, ein Mann, der in Liebesaffären und Drogen seine Flucht suchte. 1978 hat Kenneth MacMillan das Drama für Covent Garden in einem Ballett verarbeitet. Jetzt hat das Stuttgarter Ballett diese Choreographie in neuer Ausstattung herausgebracht.

Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

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Tänzerischer Aufbruch! in die Zukunft: Drei Uraufführungen am Stuttgarter Ballett

Es gibt Daten, die die Welt veränderten: 1518 mit dem Thesenanschlag von Martin Luther beispielsweise oder 1789 mit der Französischen Revolution. Für die deutsche Geschichte war das Jahr 1919 impulsgebend bis in unsere Tage. Die Weimarer Republik wurde gegründet mit ihrer freiheitlichen Verfassung, die u.a. den Frauen das Wahlrecht gab, und gleichfalls in Weimar wurde das Bauhaus aus der Taufe gehoben mit einer Ästhetik, die unseren Alltag immer noch prägt. So gab der Stuttgarter Ballettintendant Tamas Detrich drei Choreographen den Auftrag, sich von diesem Jahr inspirieren zu lassen. Entstanden ist ein Aufbruch!.

Mizuki Amemiya, Diana Ionescu © Stuttgarter Ballett

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Das Ich und die Gesellschaft: Jiří Kyliáns „Verfassungsballett“ One of a Kind

Da hatte die klassische Kultur offenbar einen hohen Stellenwert. So feierte die niederländische Regierung das 150jährige Jubiläum ihrer Verfassung nicht einfach nur durch Reden, sie wollte etwas Dauerhaftes und beauftragte den Direktor des Nederlands Dans Theater, Jiří Kilián, mit einem Ballett, und der – noch ungewöhnlicher – nahm sich zum Thema den ersten Satz dieser Verfassung: „Alle, die sich in den Niederlanden aufhalten, werden in gleichen Fällen gleich behandelt. Niemand darf wegen seiner religiösen, weltanschaulichen oder politischen Anschauungen, seiner Rasse, seines Geschlechtes oder aus anderen Gründen diskriminiert werden.“ So geschehen 1998: One of a Kind. Jetzt hat das Stuttgarter Ballett diese Choreographie in sein Repertoire aufgenommen.

Miriam Kacerova. Foto: Stuttgarter Ballett

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Aus der Tradition in die Moderne: Shades of White am Stuttgarter Ballett

Es gab Kunstepochen, da galt die Übernahme eines musikalischen Satzes oder ein langes Zitat eines geschätzten Komponisten als Ausweis der Hochachtung vor dem Kollegen, zugleich reihte man seine eigene Kunst ein in die Reihe der hehren großen Werke. Spätestens seit dem Geniekult der Romantik und erst recht im 20. Jahrhundert gilt derlei eher als Beleg für eine gewisse Rückständigkeit. Dabei braucht das Neue das Alte wesensmäßig, sei es, um sich von ihm abzusetzen, sei es, um Entwicklungen deutlich zu machen. Selbst die Revolution – als extreme Umkehr oder Negation des Alten – kommt ohne die Tradition nicht aus. Dass auch ein unverhohlener Rückgriff auf Tradition Neues nicht ausschließen muss, zeigt ein Abend des Stuttgarter Balletts.

               Ensemble © Stuttgarter Ballett

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„Die Fantastischen Fünf“ – Ballettdirektor Reid Anderson nimmt mit fünf Uraufführungen Abschied vom Stuttgarter Ballett

Dem künftigen Intendanten des Stuttgarter Balletts, Tamas Detrich, könnte der neue Ballettabend zu denken geben. Als Marco Goecke, mit dessen neuem Stück der Abend endete, die Bühne betrat, regnete es aus dem Publikum Blumensträuße und der langjährige Stuttgarter Hauschoreograph erhielt Standing Ovations. Das war zum einen hymnisches Lob für seine Choreographie, mit der er ganz neue Wege beschritt, das war aber auch als Protestkundgebung zu interpretieren, denn Detrich hatte vor einigen Wochen bekanntgegeben, dass er Goecke in seiner Intendanz nicht mehr als Hauschoreograph beschäftige, den Künstler, dem die Compagnie in den vergangenen Jahren zwölf fulminante Uraufführungen verdankt.

© Stuttgarter Ballett

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