Licht schafft Kunst: Hermann Waibel im Kunstmuseum Ravensburg

Vielleicht lag es an der Erfindung der Fotografie, die im 19. Jahrhundert die Möglichkeiten der Realitätswiedergabe revolutionierte, indem sie das Bild der Welt mittels des Lichts auf Papier bannte, dass sich im 20. Jahrhundert Künstler zunehmend mit dem Licht befassten. László Moholy-Nagy arbeitete mit lichtempfindlichen Beschichtungen, Otto Piene kreierte Lichtballette, Dan Flavin schuf Installationen mit Leuchtstoffröhren und James Turrell entmaterialisiert Raumwände mit Licht und lässt den Betrachter in Farbwolken eintauchen. Allen gemeinsam: Ihren Arbeiten liegt eine künstliche Lichtquelle zugrunde. Nicht so bei Hermann Waibel. Seit sechzig Jahren kreist seine Kunst um das Licht, aber er begnügt sich mit dem vorhandenen Licht im Freien oder im Innenraum. Dabei ging er geradezu wissenschaftlich vor und schuf zugleich hochgradig ästhetische Werke, wie eine Ausstellung im Ravensburger Kunstmuseum zeigt.

Lichtstruktur-Zeichnung, 1975 © Hermann Waibel

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Moderne Kunst mit Stillleben und Landschaften: Giorgio Morandi in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen

Was er male, existiere, sagte Paul Cézanne einmal, er male nichts, das es nicht gebe. Dieser Satz könnte auch von Giorgio Morandi stammen. Sein großes Thema waren neben der Landschaft Vasen und Kannen. Und doch streben seine Bilder einer Abstraktion entgegen, wie man es bei dieser Gegenstandsverhaftung kaum vermuten würde. Eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen macht das deutlich. Sie stellt zwei seiner wesentlichen malerischen Themen in den Vordergrund: Licht und Farbe.

 

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Schöpfungen wie aus dem Nichts: Die Farbe Weiß im Museum Ritter

Es sollte ein Neuanfang sein, eine Stunde Null in der Kunst, von der an alles möglich war. So verstanden Otto Piene und Heinz Mack 1958 ihre neue Kunst, die sie ZERO nannten und in deren Zentrum die Farbe Weiß stand – die Farbe bzw. das Licht. Ein besseres Medium hätten sie nicht wählen können, als sie ein Gegengewicht gegen den Ballast der Vergangenheit suchten, denn Weiß gilt – zumindest in unserem Sprach- und Kulturraum als Symbol der Reinheit, der Unschuld und Unendlichkeit (im Unterschied etwa zum Buddhismus, wo Weiß für Trauer steht, und zu China, wo Weiß Symbol für Herbst und Alter ist). Weiß zählt mit Schwarz zu den unbunten Farben, wobei der Begriff Farbe durchaus zutrifft, denn physikalisch ist Weiß die Addition von Rot, Grün und Blau in jeweils gleichen Intensitäten. Insofern könnte man bei Weiß auch von einem Höchstmaß an Möglichkeiten reden. Das Museum Ritter in Waldenbuch zeigt ein Spektrum dieser Möglichkeiten – natürlich, wie stets in diesem Haus – im Quadrat.

Günther Uecker, Spirale, 2002 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

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Untergang als Comic: Sebastian Baumgarten inszeniert Salome am Schauspiel Stuttgart

Wenn man Vorgeschichte als Omen begreift, dann stand diese Figur unter einem bösen Stern. Salome war die Enkelin jenes Herodes, der für den bethlehemitischen Kindermord verantwortlich war, und sie war eine Tochter der Herodias, die in zweiter Ehe mit dem Bruder ihr ersten Mannes verheiratet war – auch er ein Herodes, was den Widerspruch des Propheten Johannes hervorrief. Was kann da schon Gutes entstehen? Und so wurde Salome denn auch zum Inbegriff des verführerischen Frau, die mit einem Schleiertanz ihren Stiefvater dazu bringt, ihr das Haupt des von ihr geliebten Propheten Johannes zu liefern. Die Erzählung findet sich in der Bibel, nicht jedoch der Name dieser Prinzessin. 1893, in der Blütezeit des Fin de Siècle, das eine besondere Vorliebe für die Laszivität dieser Figur hatte, veröffentlichte Oscar Wilde sein Drama um diese Prinzessin, hundert Jahre danach bearbeitete Einar Schleef das Stück und betonte vor allem eine krude Sexualität. Jetzt hat Sebastian Baumgarten diese Version am Schauspiel Stuttgart inszeniert.

Christian Czeremnych, Julischka Eichel, Horst Kotterba, Sebastian Röhrle. Foto: Birgit Hupfeld

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Unmögliche Räume: Martin Kaspers „Architekturmalerei“

My home is my castle – der englische Spruch verrät Stolz und ein Gefühl der Sicherheit. Die Welt da draußen ist voller Gefahren – fremd, bedrohlich. Der Rückzug ins Innere, ins Eigenheim verspricht Vertrautheit, Wärme, Zuflucht. Aber das Innen kann auch Gefängnis sein. Piranesis Radierungen der Carceri wurden gedeutet als Alptraumwelten, die Räume bei Max Beckmann verbreiten eine Stimmung des Unbehagens. Auch Martin Kasper malt Innenräume. Bei ihm sind es Symbole der Verunsicherung, dabei wirken sie auf den ersten Blick ganz „normal“.

Schusev 1, 2017 © VG Bild-Kunst Bonn, 2018. Foto: Bernhard Strauss

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Kunst als Herausforderung: Olaf Metzel im Spendhaus in Reutlingen

Er mischte sich ein, bezog Stellung. Der Maler Jerg Ratgeb engagierte sich für die Bauern im Bauernkrieg und musste das mit dem Leben bezahlen. Das war 1526. 450 Jahre danach setzte ein anderer Künstler, der sich gleichfalls für Gerechtigkeit und Freiheit engagierte, diesem Künstler ein Denkmal. HAP Grieshaber rief den Jerg-Ratgeb-Preis ins Leben. Damit sollte nicht unbedingt politische Kunst ausgezeichnet werden, wie man vermuten könnte, sondern generell ein künstlerisch bedeutendes Lebenswerk. Mit dem jüngsten Preisträger hat diese Ehrung allerdings wieder die Komponente, die das Werk des Stifters auszeichnet. Olaf Metzel, seit 1990 Professor für Bildhauerei in München, versteht Kunst als ästhetische Äußerungsform, die zugleich politische Stellungnahme ist: Kunst als eine Form der Provokation. Die den Preis begleitende Ausstellung im Reutlinger Spendhaus macht das deutlich.

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Pure Farbe als Gestaltungmittel: Emil Noldes Arbeiten auf Papier

Er war der große Blumenmaler der Kunstgeschichte: Emil Nolde vermochte auf seinen Bildern, Blumen eine strahlende Leuchtkraft zu verleihen, die die Fähigkeit der Natur noch übertraf; seinem großen Motiv zuliebe legte er sich in seinem Haus in Seebüll an der dänischen Grenze ein blühendes Paradies an. Dass er mehr als nur ein Blumenliebhaber war, hatte bereits vor einem starken Jahr eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg gezeigt. Den „ganzen“ Nolde zeigt jetzt auch die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn, obwohl sie sich auf Arbeiten auf Papier beschränkt, vor allem Aquarelle, und kann gerade mit dieser Beschränkung noch einen weiteren wesentlichen Aspekt seines Schaffens verdeutlichen.

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Freiheit – eine Illusion: Gefängnis auf der Bühne der der Oper Stuttgart

Sprecht leiser, haltet euch zurück, ihr seid belauscht mit Ohr und Blick“ warnt ein Gefangener in Beethovens Fidelio seine Mithäftlinge in einem kurzen Augenblick, in dem sie ans Tageslicht dürfen, ehe sie wieder zurück in die dunklen Zellen müssen. Dennoch steht am Ende eine große Befreiung, obwohl zunächst alles dagegen spricht. Eine Befreiung scheint dagegen in greifbarer Nähe in Luigi Dallapiccolas 1949 entstandener Oper Der Gefangene, und auch in der 2006 uraufgeführten „nächtlichen Szene“ Das Gehege von Wolfgang Rihm scheint es zunächst um Befreiung zu gehen, und doch ist am Ende Freiheit unerreichbar. Die Oper Stuttgart hat nun beide Kurzopern zu einem Abend verbunden.

John Graham-Hall (Der Kerkermeister / Der  Großinquisitor), Georg Nigl (Der Gefangene)
Foto: Bernd Uhlig

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Achtung vor dem Anderen: Das Christentum in Indien

Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker – die katholische Kirche nahm diese Aufforderung Christi, wie sie im Matthäusevangelium zu lesen ist, sehr genau und vor allem wörtlich. Das Ziel der Missionsarbeit war in der Tat, die ganze Welt dem Christentum zuzuführen – wenn nötig auch mit Gewalt, nicht zuletzt, weil diese Missionsarbeit nicht selten einherging mit der politischen Unterwerfung Afrikas oder Lateinamerikas durch die Kolonialstaaten. So hat die Mission, so gut sie gemeint war, nicht selten einen bitteren Beigeschmack, zumal wenn von Zwangsmission die Rede ist oder von Massentaufe. Dass es auch anders gehen kann, zeigt jetzt eine Ausstellung im Rottenburger Diözesanmuseum.

 

 

Peter Paul Rubens (Maler), Marinus Robyn van der Goes (Stecher). Die Wunder des hl. Franz Xaver in Indien. 1633–35.

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Licht im Dunkel: Der Maler Hermann Pleuer

Ein Gemälde gab der Kunstrichtung den Namen: Impression – Soleil levant. Claude Monet vereinte da die großen Elemente, aus denen sich der Impressionismus zusammensetzte: Den Eindruck, den die Welt im Auge hinterließ, und das Licht. Duftige Himmelsbilder entstanden auf diese Weise, helle Farben dominierten, auf Schwarz oder Dunkelbraun verzichtete man gern, alles atmete eine Leichtigkeit des Seins. Nicht so bei den Künstlern, die sich im Schwäbischen dem Impressionismus verschrieben. Hier sucht man den Himmel oft vergebens, auf ihren Bildern taucht man oft in dunkle Waldszenen ein, erdige Farben dominieren, aber auch die Technik, die Farbflächen in einzelne Farbstriche und -flecken aufzulösen. Das Museum im Prediger in Schwäbisch Gmünd zeigt einen Extremfall dieser ganz eigenen Richtung: Hermann Pleuer.

Mädchen am Fenster, 1894

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