Kunstnatur – Naturkunst: Der Objektkünstler Flavio Paolucci

Künstlich und natürlich sind diametrale Gegensätze, Kunst und Natur dagegen müssen es nicht sein. Tausende von Jahren diente Stein den Bildhauern als Material, in unserer Zeit haben weitere Naturmaterialien in die Kunst Eingang gefunden; Künstler wie Herman de Vries oder Wolfgang Laib gar arbeiten ausschließlich mit solchen Stoffen, der eine mit Pflanzen und Erde, der andere mit Blütenstaub. Auch der Schweizer Flavio Paolucci sucht sich seine Ausgangsstoffe in der Natur, fand aber zu einer ganz eigenen Art der Synthese von Kunst und Natur und auch von künstlich und natürlich, wie eine Ausstellung im Museum Art.Plus in Donaueschingen zeigt.

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Ein Lichtbild der Welt? Eine Fotoinstallation von Damaris Wurster in der Städtischen Galerie Sindelfingen

Eine Fotografie ist eine bildgebende Methode, bei der mittels Licht ein Bild der Welt festgehalten wird, das mittels eines Objektivs auf einen lichtempfindlichen Film projiziert wurde – so die landläufige Vorstellung. Künstler wie Man Ray oder László Moholy-Nagy haben den Film auch direkt mit Licht in Kontakt gebracht und so vielleicht das griechischstämmige Wort Fotografie noch deutlicher umgesetzt: Lichtzeichnung. Die Fotografin Damaris Wurster steht in dieser Tradition, hat aber neue Wege beschritten, wie eine Installation in der Städtischen Galerie Sindelfingen belegt.

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Zwischen Wand und Raum: Bernar Venets Reliefs in der Städtischen Galerie Tuttlingen

Es ist als Kunstform zwischen der Malerei und der Bildhauerei angesiedelt, das Relief. Wie ein Gemälde hat es eine Grundfläche, ragt aber von dieser in den Raum nach vorn – mal mehr als Hochrelief, mal weniger als Flachrelief. Da es wie ein Gemälde in der Regel an der Wand hängt, fehlt dem Relief ein wesentliches Charakteristikum der Plastik: Man kann es nicht umrunden, es kann seine Plastizität nicht voll im Raum entfalten. Wann ein Relief noch Bild und wann schon Skulptur ist, solchen Fragen kann man derzeit in der Städtischen Galerie Tuttlingen nachgehen. Sie zeigt Werke von Bernar Venet unter dem Titel: Reliefs.

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Das Ding an sich: Die Fotokunst von Ricarda Roggan

Gehet hin und lernet, mit so einfachen Mitteln so Großes hervorzubringen“ meinte Beethoven einmal über Georg Friedrich Händel. Dass dieser Grundsatz auch in der bildenden Kunst gelten kann, hat ein Giorgio Morandi bewiesen, der sein Leben lang nahezu nichts anderes als Flaschen und Kannen gemalt hat, oder ein Peter Dreher, der jeden Tag ein Glas Wasser malt und damit ein unendliches Spektrum an Lichtatmosphären schuf. Die Städtische Galerie in Backnang zeigt jetzt, dass offenbar auch die Fotografin Ricarda Rogann diesem Prinzip folgt.

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Mein Körper und ich. Antony Gormley im Schauwerk in Sindelfingen

Jeder Mensch hat ihn, bedient sich seiner, ist einer – ein Körper. Er ist dem Menschen Heimstatt, Hülle, Werkzeug, ja Identität, und doch macht man sich in den seltensten Fällen Gedanken über ihn, weil er, wenn gesund, kaum auffällt, jedenfalls nicht einem selbst. Ein Fehler, meint einer der bedeutendsten britischen Bildhauer. Antony Gormley hat sich seit Jahrzehnten mit seinem Körper auseinandergesetzt, von dem er Abdrücke anfertigen ließ, die ihm als Ausgangspunkt für seine Plastiken dienen. Im Schauwerk in Sindelfingen ist sein Körpergefühl nachzuvollziehen: Learning to be.

CLOSE I, 1992 Foto: Stephen White, London © Antony Gormley

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Weiblich konkret: Konkrete Künstlerinnen im Kunstmuseum Stuttgart

Es war eine radikale Absage an Inhalte in der Malerei. Persönlicher Ausdruck war verpönt. Es galten nur konkrete Dinge wie Farbe, Linie, Fläche. So definierte Theo van Doesburg 1930 die von ihm mit Freunden konzipierte neue Kunst: Die Konkrete Kunst war geboren, eine Kunstrichtung, die völlig auf gegenständliche Beschreibung, Emotion oder subjektiven Ausdruck verzichten sollte zugunsten einer reinen Form. Nichts sei konkreter als eine Linie, eine Farbe und eine Oberfläche, so formulierte es Theo van Doesburg 1930 in seinem Manifest der Konkreten Kunst, weshalb bei den Künstlern dieser Richtung vor allem der rechte Winkel dominiert, zumindest bei den männlichen. Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt jetzt die weibliche Seite der Konkreten Kunst.

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East meets West: Der Maler Xianwei Zhu

Über zweihundert Jahre lang hatte sich Japan von der Außenwelt abgeschottet, 1853 schließlich erzwangen die Amerikaner die Öffnung und veränderten indirekt die Kunst in good old Europe. Denn in großer Zahl gelangten japanische Holzschnitte nach England und Frankreich, erst als Verpackungsmaterial für Tee, alsbald aber auch als eigenwertiger Handelsartikel: Sie wurden der letzte Schrei. Ein regelrechter Kunsthandel entwickelte sich – und hinterließ seine Spuren in der europäischen Kunst, insbesondere der französischen: vor allem lösten sich die Konturen und Formen zunehmend in Licht- und Farbeindrücke auf. Aber natürlich gab es auch Kunsteinflüsse von West nach Ost, wie jetzt eine Ausstellung in der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart mit Werken von Xianwei Zhu zeigt.

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Vom Anhalten der Zeit: Künstlerische Auszeiten im Kunstmuseum Ravensburg

*Sie scheint eindeutig und exakt: die Uhrzeit. Nach ihr bestimmt sich der Arbeitsalltag (früher mit der Stechuhr), nach ihr richten sich Verkehrsströme (Fahrpläne). Sie ist jedoch alles andere als ein Naturgesetz. Die Einteilung des Tages in 24 Stunden à sechzig Minuten galt nicht immer. In der Französischen Revolution versuchte man, einen Zehnstundentag à hundert Minuten einzuführen. Vor allem ist die Uhrzeit ein Korsett, das unser aller Tun regelt, Kein Wunder, dass die Zeit, in der dies nicht gilt, zur schönsten des Jahres zählt – der Urlaub, die Auszeit von der Zeit. Ihr ist jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg gewidmet.

 

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Kunst erleuchtet: Mit der Sammlung des Kunstmuseums Reutlingen „ins Licht“

Der Sammlungsschwerpunkt des Kunstmuseums Reutlingen ist die Druckgraphik, vor allem der Holzschnitt, schließlich hat die Stadt von dem bedeutenden Holzschneider HAP Grieshaber einen repräsentativen Querschnitt durch sein Schaffen erworben. Aber es findet sich auch Malerei in der Sammlung. Ina Dinter, die neue Leiterin des Museums, hat jetzt eine Auswahl aus dem Archiv in einer Ausstellung versammelt, sie gewissermaßen „ins Licht“ geholt, so der Titel, der aber nicht nur die museumsarchivalische Aktion beschreiben soll, sondern auch thematische Leitlinie für die Auswahl war.

Wilhelm Laage, Septemberabend (1924) Foto: Kunstmuseum Reutlingen

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Das Licht und wir: Heinz Mack im Museum Ritter

Als Heinz Mack und Otto Piene sich 1958 in Düsseldorf zur Künstlergruppe ZERO zusammentaten, ging es ihnen um einen Neuanfang in der Kunst, bei dem der Ballast der vorangegangenen Jahrzehnte abgeworfen werden sollte. Das war natürlich mit Blick auf die Nazizeit durchaus politisch gemeint, mit Blick auf Strömungen wie den Expressionismus aber auch rein ästhetisch. So entschieden sie sich für die Nichtfarbe Weiß, mit der Günther Uecker, der alsbald dazustieß, seine Nagelköpfe bemalte, und für das Licht, das Otto Piene mit kinetischen Installationen zu wahren Balletten in Szene setzte. Auch für Heinz Mack war Licht das zentrale Ausdrucksmittel, allerdings setzte er es in einem sehr viel größeren Spektrum ein, wie jetzt eine Retrospektive auf sechzig Jahre seines Schaffens, Mack ist inzwischen neunzig Jahre alt, im Museum Ritter in Waldenbuch deutlich macht: „Werke im Licht (1956-2017)“.

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