Archiv der Kategorie: Kunst

System und Chaos – Zeichnungen und Malerei von Renata Jaworska in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen

Sie sind stark schematisiert, übersichtlich und dienen der Orientierung: Stadtpläne erlauben selbst dem Ortsunkundigen zielgerichtete Fortbewegung in einem urbanen Ambiente. Freilich suggerieren sie nicht selten ein Ordnungssystem, das sich dem Flaneur im Dschungel der Straßenschluchten nicht offenbart. Somit sind sie Ordnungsinstrument und zugleich artifizielles Konstrukt. Mit diesem Widerspruch arbeitet die 1979 in Polen geborene Renata Jaworska. Die Städtische Galerie Villingen-Schwenningen zeigt eine Auswahl ihrer Werke unter dem bezeichnenden Titel Verortung.

Weiterlesen

Lukas Weiß: Bildwelten aus Parkett

Man braucht nicht viel zu einem Holzschnitt, es genügen: ein Holzbrett, ein scharfes Messer und Farbe. Damit hat man sich jahrhundertelang begnügt. Aber spätestens seit Holzschneider wie HAP Grieshaber ganze Türen als Druckstöcke benutzten, von Gewehrkugeln durchlöcherte Bretter oder gedrechselte Stuhlbeine, waren der Vielfalt der Materialien, mit denen man drucken konnte, keine Grenzen gesetzt. Verglichen damit ist der 1986 geborene Lukas Weiß, Gewinner des diesjährigen Holzschnitt-Förderpreises des Freundeskreises Kunstmuseum in Reutlingen, ein Minimalist. Er hat als Druckstock das Stäbchenparkett entdeckt und gestaltet aus damit gedruckten schmalen rechteckigen Streifen Bilder von mehreren Quadratmetern, die jetzt das Kunstmuseum Reutlingen zeigt.

Blues, 2018 © Lukas Weiß, Leipzig. Foto: Barbara Proschak, Leipzig

Weiterlesen

Sehen wir, was ist? Die Kunst des Hans Jörg Glattfelder

Etwas Konkreteres als Linie, Farbe und Oberfläche gebe es nicht, so meinte Theo van Doesburg und begründete damit 1930 die Konkrete Kunst. Sechs Jahre später fand dieses Manifest bei einer Gruppe von Künstlern in Zürich ihren Widerhall, und auch das Manifest von Max Bill betonte eine Kunst, die ganz ihren eigenen Gesetzen gehorchen solle, fern jeder Naturerscheinung. Allerdings fügte er den beiden Mitteln Farbe und Form noch drei hinzu: Raum, Licht und Bewegung. Die Schule der Zürcher Konkreten war geboren. Drei Jahre danach kam Hans Jörg Glattfelder zur Welt und ließ sich als junger Künstler von dieser Kunst inspirieren. Das Museum Ritter zeigt nun eine Retrospektive.

Weiterlesen

Das Geheimnis der Malerei: Emil Kiess

Jahrhundertelang mischten Maler ihre Farben auf der Palette, ehe sie sie auf Leinwand oder Holz auftrugen. Das änderte gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Maler Georges Seurat. Er untersuchte das Phänomen Farbe geradezu wissenschaftlich und gelangte zu der Erkenntnis, dass Farben sich nicht auf der Palette, sondern im Auge mischen. Daher trug er die Farben in kleinen Punkten oder Strichen nebeneinander auf. Der Divisionismus war geboren, aus dem sich dann der populäre Pointillismus entwickelte. Der 1930 geborene Emil Kiess machte diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit dem Phänomen, wie eine Kabinettausstellung im Museum Art.Plus in Donaueschingen belegt.

Weiterlesen

Erste Schritte zur Meisterschaft? Baselitz, Richter, Polke und Kiefer in der Staatsgalerie Stuttgart

Was internationale Geltung betrifft, taten sich deutsche Künstler eher schwer. Ein Albrecht Dürer war europaweit bekannt, Hans Holbein d.J. wirkte am englischen Hof, Adam Elsheimer feierte in Rom Triumphe, doch das alles ist Jahrhunderte her. Ein Grund mag die deutsche Kleinstaaterei sein, die verhinderte, dass sich Kunstzentren vom Range eines Paris im 19. und frühen 20. Jahrhundert etablierten oder New York in den Jahrzehnten danach. Vier Künstlern unserer Gegenwart allerdings gelang der Sprung in die Internationalität, einer von ihnen führt sogar seit Jahren die Rankingliste der teuersten Maler der Welt an: Gerhard Richter. Er bekam neben Georg Baselitz, Anselm Kiefer und Sigmar Polke weithin beachtete Ausstellungen in den USA in renommierten Instituten. Die Staatsgalerie Stuttgart untersucht nun in einer Ausstellung deren Anfänge.

Weiterlesen

Ein Hilfsmittel wird autonom: Gustav Kluges Druckstöcke

Im Grunde ist es ganz einfach: Man schneide von einer Holzplatte all das, was nicht auf dem späteren Blatt zu sehen sein soll, weg, färbe das übrige hochstehende Holz ein und drücke es auf ein Stück Papier oder Leinwand. Das Kunstwerk, der Holzschnitt, ist fertig. Dass auch Druckstöcke ihren ästhetischen Reiz haben können, haben Museen längst erkannt und sie gelegentlich den ausgestellten Drucken beigegeben. Der Maler und Grafiker Gustav Kluge hat in ihnen eine selbstständige künstlerische Qualität erkannt. Das Kunstmuseum Reutlingen, dem er zahlreiche seiner Druckstöcke überlassen hat, zeigt, wie sich der Druckstock unter seiner Hand emanzipiert.

Weiterlesen

Zwischen Idylle und Apokalypse: Landschaft bei Rudolf Schlichter

Es gibt Bilder von Künstlern, die deren künstlerische Biografie höchst unvollständig wiedergeben. So denkt man bei Otto Dix an die Bilder aus der Weimarer Republik, Szenen der sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre, der Tänzerinnen, doch in Berlin und Dresden lebte und wirkte Dix keine zehn Jahre, dann zog er sich unter den Nazis nach Süddeutschland zurück und malte die folgenden drei Jahrzehnte ganz andere Bilder. Ähnlich liegt der Fall bei einem weiteren Vertreter der Neuen Sachlichkeit: Auch mit Rudolf Schlichter assoziiert man Bilder aus dem Berlin der Zwanzigerjahre, wo er u.a. Bertolt Brecht porträtierte. Doch wie Dix zog er sich, wenn auch aus anderen Motiven, nach stark zehn Jahren in seine schwäbische Heimat zurück. Was er da malte, zeigt jetzt eine Ausstellung in der Kunststiftung Hohenkarpfen.

Weiterlesen

Picture goes spatial: Malereihochdrei im Museum Reutlingen/konkret

Jahrhundertelang galt das Bild als Fenster zur Welt. Farbe, Linie und Fläche dienten zur Gestaltung einer gegenständlichen Welt, die lange die reale abzubilden trachtete. Dieser Bildbegriff löste sich bereits im Lauf des 19. Jahrhunderts auf, die Zentralperspektive wurde zunehmend bedeutungslos, der Blick konzentrierte sich auf die Farbe und ihre Qualitäten, bis schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts jegliche bildnerische Repräsentation aufgegeben wurde. Alexander Rodtschenko kreierte 1921 die Reine Farbe Rot Gelb und Blau, Kasimir Malewitsch erhob die Kunst zum Selbstzweck, und Theo van Doesburg schuf die auf Linie, Farbe und Fläche als einzigen Gestaltungsmitteln beschränkte Konkrete Kunst. Dass sie im Gefolge den Bildbegriff in ganz neue Dimensionen vorantreiben konnte, zeigt eine Ausstellung im Kunstmuseum Reutlingen/konkret: Malereikonkrethochdrei.

Weiterlesen

Bewegung in der Statik: Malerei und Plastik von Horst Reichle

Die Kunst des 20. Jahrhunderts ist geprägt von Grenzüberschreitungen. In der Malerei war es vor allem die Befreiung von der Welthaltigkeit der Bilder, also der Gegenständlichkeit. In der Plastik gingen die Bestrebungen dahin, das Statische, auch Statuarische zu überwinden – durch Kinetik, Lichtprojektionen oder das Mittel der Installation. Der bei Biberach lebende Horst Reichle hat in seinem Spätwerk genau diese Grenzüberwindungen in seine Arbeiten auf ganz eigene Weise eingebracht, wie jetzt eine Ausstellung in Ochsenhausen belegt.

Ein einziger langer Tag, 1998

Weiterlesen

Dem Ich auf der Spur: Maria Lassnig in der Staatsgalerie Stuttgart

Jeder Künstler hat sich wohl irgendwann einmal mit dem eigenen Körper beschäftigt und selbst porträtiert, keiner wohl so oft wie Rembrandt, der sein Ich in allen Lebensaltern, Stimmungslagen und Befindlichkeiten festgehalten hat und dabei durch die äußere Haut in sein Inneres vorgestoßen ist. Mit einer ähnlichen Konsequenz hat sich im 20. Jahrhundert die Österreicherin Maria Lassnig mit sich beschäftigt, schließlich kennt man niemanden so gut wie sich selbst. Allerdings ging sie nicht den Weg von außen nach innen, sondern versuchte, gleich das Innenleben zu erfassen und dafür Bildsymbole zu erfinden. „Körperempfindungsbilder“ nannte sie die Ergebnisse. Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt nun eine Auswahl ihrer Arbeiten.

Weiterlesen