Archiv der Kategorie: Kunst

Die Vergangenheit im Bild – die Antike in Graphiken aus der frühen Neuzeit

Der Fotoapparat sowie in letzter Zeit dank besserer Qualität der Kameras, das Mobiltelefon sind unverzichtbar. Wer Rom besucht, will festhalten, was dort von der Antike vor über zweitausend Jahren noch übrig ist: Man bestaunt die Säulen auf dem Forum Romanum, das Kolosseum, das Pantheon – und will es zuhause gleichermaßen tun. Dieses Bedürfnis, sich der Antike in der Stadt am Tiber zu nähern, hatten freilich auch schon unsere Vorfahren zu Beginn der Neuzeit, wie eine Ausstellung des Museums der Universität Tübingen zeigt, nur übernahmen da die Künstler, was heute jeder Laie vermag.

Giovanni Battista Piranesi, Sybillen-Tempel in Tivoli, 1761

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Einheit in der Vielfalt: Das künstlerische Werk von Winand Victor

Es gibt Künstler mit einer unverwechselbaren Handschrift. „Man“ erkennt einen Picasso, einen Dalí, einen Schmidt-Rottluff. Dann wiederum gibt es Künstler, die in ihrer Laufbahn unterschiedliche und sogar sehr verschiedene Phasen entwickelt haben. Wer sich mit Winand Victor auseinandersetzt, ist allerdings mit einer solchen Vielfalt an Stilen, Techniken und Motiven konfrontiert, dass man sie kaum einem einzelnen Künstler zuordnen möchte. So finden sich figürliche Darstellungen neben abstrakten Kompositionen, Materialbilder und zurückhaltende flächige Gemälde, kosmische Visionen neben Großstadtbildern. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten, die all diese divergent wirkenden Arbeiten zur Einheit fügen, wie eine Ausstellung im Reutlinger Spendhaus zeigt.

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Museum grenzenlos – Das Museum der Fantasie des Lothar-Günther Buchheim

Weltberühmt wurde er mit dem Roman Das Boot. Darin verarbeitete Lothar-Günther Buchheim seine Kriegserlebnisse auf einem U-Boot. Es wurde in achtzehn Sprachen übersetzt und verfilmt. Doch früh schon trat er auch als Künstler hervor, galt als malendes Wunderkind, schrieb Bücher über Picasso, Braque, vor allem über die deutschen Expressionisten, gründete einen Kunstverlag – und sammelte. Das Ergebnis, somit sein Lebenswerk, brachte er in einem spektakulären Museum, am Ufer des Starnberger Sees unter, das inoffiziell als Buchheim Museum firmiert, offiziell Museum der Fantasie heißt.

Christian Rohlfs, In Andechs. Um 1924 © Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See/Langfristige Leihgabe aus Privatsammlung

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Individuelle Allgemeinheit: Hyperrealistische Plastik in der Kunsthalle Tübingen

Aufgrund schlechter Erfahrungen zum Frauenhasser geworden, zog sich ein Bildhauer ganz in seine Kunst zurück und schuf – eine perfekte Frauenstatue, so perfekt, dass er sich in sie verliebte. So erzählt es unter anderem Ovid von Pygmalion und schuf damit die Basis für eine Tradition in der Bildhauerei, in der eine möglichst lebensechte Darstellung der menschlichen

Figur angestrebt wird, die freilich zugleich auch idealisiert ist, ob nun beim David eines Michelangelo ist oder beim Apollo von Belvedere. Daran hat sich auch im 20. Jahrhundert fast nichts geändert – außer der Technik und dem Material, wie eine Ausstellung in der Tübinger Kunsthalle belegt.

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Günther Förg – Malen in einer Zeit des „Anything goes“?

Marcel Duchamp hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Kunstbegriff revolutioniert. Von da an galt nicht die geniale künstlerische Handschrift als Ausweis dessen, was Kunst ist, sondern der Wille des Künstlers mit der Folge, dass alles Kunst sein konnte – folglich auch alle Materialien zur Herstellung von Kunst eingesetzt werden konnten. Zur selben Zeit machte Kasimir Malewitsch mit seinem Schwarzen Quadrat deutlich, dass Kunst mit der Erfindung von Gegenstandswelten nichts mehr zu tun haben muss. Kunst war grenzenlos geworden – eine Chance zu Beginn, doch spätestens ab der Mitte des 20. Jahrhunderts auch ein Problem zumal für junge Künstler. Das kann man beispielhaft in einer Ausstellung mit Werken von Günther Förg im Reutlinger Kunstverein nachvollziehen.

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Von der Lebendigkeit des Alten: Plastiken von Gerda Bier

Es gibt Künstler, die eine Art „Markenzeichen“ haben, an denen man sie sofort erkennt. Das kann eine Handschrift sein wie die dick aufgespachtelte Farbe bei van Gogh, eine Darstellungsweise wie die Multiperspektivität in Picassos Figurenbildern oder eine Formeigenschaft wie die dürren Figuren eines Giacometti. Bei der Bildhauerin Gerda Bier sind es die Materialien: altes Holz und Eisen, aus denen sie neue Skulpturen schafft, und das, wie eine Ausstellung in der Galerie im Prediger in Schwäbisch Gmünd beweist, seit Jahrzehnten.

Türrelikt, 1997

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Zwischen Sein und Nichtsein: Malerei von Dieter Mammel

Das Malen eines Bildes gleicht einer Creatio ex nihilis. Ein erster Pinselstrich auf der unberührten Leinwand schafft eine Realität. Diese kann ergänzt werden (und wird es auch meist), sie kann modifiziert, nicht aber zurückgenommen werden. Selbst eine Übermalung schafft eine neue Realität. Insofern ist der Maler gefangen in einer Welt der – wenn auch nur gemalten – Dinge, zu denen jeder Strich, jede Fläche zählt. Das mag in der Moderne geradezu anachronistisch anmuten, in der selbst die früher als solide angesehene physikalische Welt durch die moderne Wissenschaft als stets im Fluss, in Bewegung entlarvt wurde. Eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Reutlingen zeigt einen Maler, der diese Schaffung von Welt durch den Pinsel für problematisch hält. Dieter Mammel beschreitet mit seinen Arbeiten Zwischenwelten.

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Bilder aus dem Inneren: Karl Hurms Albphantasien im Kunstmuseum Albstadt

Schon das 19. Jahrhundert bewies die Neigung, sich von der traditionellen Akademiemalerei abzukehren. Nicht im Atelier entstanden nun die Bilder, strengen Malgesetzen folgend, sondern im Freien nach den Gesetzen dessen, was sich da dem Auge bot. Im 20. Jahrhundert setzte sich das als radikale Ablehnung des Akademismus fort – bei den Expressionisten beispielsweise -, und in der Entdeckung von Malern, die keine Akademie von innen gesehen hatten wie etwa Henri Rousseau. Ihre „naive“ Malerei hatten sie sich selbst beigebracht, und sie hatte für die Großen der akademisch ausgebildeten Küntsler den Reiz des Naturhaften und Unbekümmerten. Picasso entdeckte Rousseau, Kandinsky nahm ihn in seinen Almanach der Moderne Der Blaue Reiter auf. In der Nähe von Haigerloch arbeitet seiet einem halben Jahrhundert Karl Hurm in dieser Tradition, die keine ist. Jetzt hat er dem Kunstmuseum Albstadt vierzig seiner Bilder von er schwäbischen Alb vermacht.

Der Lochgräber, 1982 © Karl Hurm

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Licht schafft Kunst: Hermann Waibel im Kunstmuseum Ravensburg

Vielleicht lag es an der Erfindung der Fotografie, die im 19. Jahrhundert die Möglichkeiten der Realitätswiedergabe revolutionierte, indem sie das Bild der Welt mittels des Lichts auf Papier bannte, dass sich im 20. Jahrhundert Künstler zunehmend mit dem Licht befassten. László Moholy-Nagy arbeitete mit lichtempfindlichen Beschichtungen, Otto Piene kreierte Lichtballette, Dan Flavin schuf Installationen mit Leuchtstoffröhren und James Turrell entmaterialisiert Raumwände mit Licht und lässt den Betrachter in Farbwolken eintauchen. Allen gemeinsam: Ihren Arbeiten liegt eine künstliche Lichtquelle zugrunde. Nicht so bei Hermann Waibel. Seit sechzig Jahren kreist seine Kunst um das Licht, aber er begnügt sich mit dem vorhandenen Licht im Freien oder im Innenraum. Dabei ging er geradezu wissenschaftlich vor und schuf zugleich hochgradig ästhetische Werke, wie eine Ausstellung im Ravensburger Kunstmuseum zeigt.

Lichtstruktur-Zeichnung, 1975 © Hermann Waibel

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Moderne Kunst mit Stillleben und Landschaften: Giorgio Morandi in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen

Was er male, existiere, sagte Paul Cézanne einmal, er male nichts, das es nicht gebe. Dieser Satz könnte auch von Giorgio Morandi stammen. Sein großes Thema waren neben der Landschaft Vasen und Kannen. Und doch streben seine Bilder einer Abstraktion entgegen, wie man es bei dieser Gegenstandsverhaftung kaum vermuten würde. Eine Ausstellung in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen macht das deutlich. Sie stellt zwei seiner wesentlichen malerischen Themen in den Vordergrund: Licht und Farbe.

 

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