Kein Licht ohne Schatten: Das graue Gebilde, das einem vorausgeht oder nachfolgt, ist untrennbar mit dem Menschen verbunden – Peter Pan hat seinen Schatten auf der wundersamen Insel verloren und sucht ihn verzweifelt, Peter Schlemihl in Adalbert von Chamissos Erzählung hat seinen verkauft und ist seitdem nurmehr ein Mensch zweiter Klasse. Kein Schatten ohne Licht, aber auch kein Licht ohne Schatten – diese geradezu philosophische Verbindung zwischen dem dreidimensionalen realen Körper und dem schemenhaften Begleiter hat seit jeher die Phantasie beschäftigt. Vermutlich haben schon seit Tausenden von Jahren Kinder versucht, ihrem Schatten nachzujagen, oder ihn einem geisterhaften Reich zugeordnet. So ist es nicht verwunderlich, dass er in nahezu jeder Hochkultur die Kreativität zu einer künstlerischen Blüte inspiriert hat.

Rama versucht, Kumbhakarnas Zauberspeer aus dem Körper seines Bruders zu ziehen. Thailand, frühes 20. Jh. © Linden-Museum Stuttgart, Foto: A. Dreyer
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