Archiv der Kategorie: Historisches

Woher – Wohin? Ursprünge in der Geschichte der Menschheit

Die Frage nach dem Woher hat die Menschen seit jeher umgetrieben. Kaum eine Kultur, die sich nicht Ursprüngsmythen ausgedacht hat. Bei den Griechen war die Nacht Ausgangspunkt allen Seins, Nyx, ein schwarzer Vogel, aus dessen vom Wind befruchtetes Ei Eros entstiegen sein soll. Die Sumerer hatten einen Ursprungsgott Anu zur Begattung der Erde, die Bibel berichtet von Gott, der sich als erste Aufgabe gestellt haben soll, Himmel und Erde zu schaffen. Und auch die Wissenschaften befassen sich gern mit ersten Anfängen. Eine Ausstellung im Tübinger Schloss geht nun einigen solcher Ursprünge nach, denn eines ist gewiss: Den Ursprung gibt es nicht.

Museum der Universität Tübingen MUT/Valentin Marquardt

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Ein Schwabe verändert die Welt: Carl Laemmle und das Kino

Die amerikanische Traumweltindustrie erinnert gern an ihre großen Väter. Was 1918 vier aus Polen stammende Brüder begründeten, lebt heute noch mit ihrem Namen fort als Warner Brothers, MGM ist benannt nach ihrem Gründer Louis B. Mayer. Beiden Filmgesellschaften ging aber eine Gründung voraus, die mit Fug und Recht LFS heißen könnte, Laemmle Film Studios, benannt Carl Laemmle.Der hatte seine Filmfirma bereits 1912 ins Leben gerufen und Universal Studios genannt, und damit endete sein Einsatz für die Traumindustrie keineswegs. Das Haus der Geschichte in Stuttgart zeichnet zum 150. Geburtstag die Lebensgeschichte dieses gebürtigen Schwaben aus Laupheim nach, die selbst Stoff für einen Film sein könnte.

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Gold und Silber zu Ehren Gottes: Der Zwiefaltener Klosterschatz

Es war noch keine fünfzig Jahre alt, da beschrieben es Zeitgenossen bereits als schimmernden Tempel „mit goldenen Kronen, mit goldenen, silbernen, kristallenen und elfenbeinernen Gefäßen, mit Edelsteinen und seidenen Wandbehängen“. Was nach einem morgenländischen Palast aus 1001 Nacht klingt, befand sich freilich auf der Schwäbischen Alb und war kein heidnisches Schloss, sondern ein katholisches Kloster: Zwiefalten. Noch heute zieht es Tausende von Besuchern an, obwohl es längst nur noch Relikt ist: Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst, seine Schätze nach Stuttgart verbracht, wo sie zum Teil eingeschmolzen wurden. Was der Zerstörungsarbeit durch die Protestanten entging, befindet sich heute im Besitz der Kirchengemeinde Zwiefalten, ist, von einzelnen Gegenständen, die im Kirchenalltag Verwendung finden, dem Auge der Öffentlichkeit entzogen. Eine Ausstellung im Diözesanmuseum Rottenburg zeigt, wie kostbar die Schätze sind, vor allem aber, was sie über das Kloster aussagen.

Staurothek, wohl Jerusalem, um 1100 © Zwiefalten, Katholische Kirchengemeinde. Foto Joachim Feist

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Wandverkleidung als Kulturträger. Die altrömischen Campana-Reliefs im Schloss Hohentübingen

Archäologie ist häufig „Stückwerk“. Nicht immer hat der Forscher das Glück, ganze Statuen zur Verfügung zu haben, erst recht nicht Objekte in dem Lebenszusammenhang, in dem sie den Griechen oder Römern vertraut und geläufig waren und der zur möglichst detaillierten und anschaulichen Rekonstruktion der Lebensgewohnheiten nötig wäre. Das gilt auch für die so genannten Campana-Reliefs, so benannt, weil ein gewisser Giampietro Campana ihnen als einer der ersten seine Sammelleidenschaft und sein wissenschaftliches Interesse gewidmet hat. Sie finden sich in renommierten Häusern wie dem British Museum und dem Louvre – und im Archäologischen Institut der Universität Tübingen. Lange Zeit als irrelevant abgetan, gerieten sie erst vor einem halben Jahrhundert in den Fokus der Wissenschaft – und derzeit in eine Ausstellung im Tübinger Schloss.

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Herakles kämpft gegen die Hydra von Lerna. Foto: Thomas Zachmann

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Zwischen Traum und Wirklichkeit: Max Pechsteins Bild von der Südsee

Gauguin hatte es allen vorgemacht. Des Lebens in Paris überdrüssig, suchte er in der Südsee sein Paradies, hielt sich mehrfach auf Tahiti auf. Diesem Beispiel folgten dreißig Jahre danach Künstler, die sich unter dem Namen „Die Brücke“ zu einer neuen Kunst zusammengefunden hatten – Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und Max Pechstein. Sie alle brachten wie Gauguin von ihrer Reise einen neuen Malstil mit, vereinfacht in den Formen, sie alle hatten mit den in der Südsee oder danach entstandenen Gemälden Erfolg, wie auch Gauguin, und noch heute wird Pechsteins Reise gern als Fahrt ins Paradies präsentiert, so geschehen vor zwanzig Jahren im Spendhaus in Reutlingen. „Das ferne Paradies“ hieß die Schau damals in Zusammenarbeit mit dem Museum in Zwickau. Das scheint sich zu wiederholen: „Der Traum vom Paradies“ heißt die neue Präsentation, wieder in Koproduktion mit Zwickau, jedoch ergänzt durch den Untertitel: „Max und Lotte Pechstein in der Südsee“, und das ist ein entscheidender Unterschied.

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Provinziell und weltläufig: Die Schwaben

Sie meinen, gegen ein Untier kämpfen zu müssen, die sprichwörtlich gewordenen sieben Schwaben, weshalb jeder den Platz an der Speerspitze meidet, doch das Untier entpuppt sich als harmloser Hase. Sie werden gerne belächelt, gelten als mundfaul geizig und ein wenig wunderlich, können nach eigenem Bekunden angeblich alles außer hochdeutsch und beweisen damit mehr Selbstironie als die gerne großtuerisch auftretenden Bayern; Selbstironie aber ist eine feine Form der Weisheit. Das Schwabenbild ist voller Klischees und Widersprüche, und das greift die große Landesausstellung im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart auf: Sie heißt „Die Schwaben“, und versucht, sie zwischen den Polen Mythos und Marke zu definieren.

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Die Sieben Schwaben“ Anton Sohn Zizenhausen, 1830/31 Terrakotta, bemalt,Landesmuseum Württemberg, Stuttgart © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch

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Weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme: Essen und trinken in Japan

Reis und Sushi, das ist für uns Deutsche der Inbegriff der japanischen Küche, und so stehen die beiden Speisen denn auch im Zentrum einer Ausstellung im Stuttgarter Lindenmuseum – und wenn man sich die zahlreichen (wiewohl lediglich in Plastik nachgebildeten) traditionellen Sushigerichte betrachtet, kann einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

reisanbau__ono_bakufu__1950__inv-nr-_oa-26546__copyright_linden-museum_stuttgart__foto_a-_dreyer-700x492                  Reisanbau, Ono Bakufu (1888 – 1976) © Linden-Museum Stuttgart, Foto: Anatol Dreyer

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Ein Museum der Forschung – das MUT in Tübingen

Das Museum einer Stadt erfasst die Geschichte einer Kommune – anhand bedeutender Persönlichkeiten, wichtiger Ereignisse, bedeutender Daten. Wie aber erfasst man die Geschichte einer Universität? Ist es eine Abfolge bedeutender Wissenschaftler, die es zu porträtieren gilt, ist es die Funktion im Geistesleben des Landes, der Stadt? In Tübingen wird der Versuch unternommen, museal das zu erfassen, was eine Universität eigentlich ausmacht: die Forschung selbst.

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Was bin ich: Sichten auf den Körper im Stadtmuseum Esslingen

Vor 350 Jahren beharrte der Philosoph René Descartes noch strikt auf der Trennung von Körper und Geist: Cogito, ergo sum – das Denken mache das Ich aus. Vor hundert Jahren forderte dagegen Pierre de Coubertin, der Begründer der Olympischen Spiele unserer Zeit, einen „feurigen Geist in einem muskulösen Körper“ – zwei Ansichten, wie sie konträrer kaum sein könnten. Im Stadtmuseum Esslingen kann man sich ein Bild vom Körper machen – und kommt vom Hundertsten ins Tausendste.

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                                                  Leonardo da Vinci, Der Vitrvianische Mensch

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Zwischen Grusel und Erkenntnis: Moulagen im Museum der Universität Tübingen

Sie zählten zu den großen Attraktionen auf Jahrmärkten und in Großstädten: Wachsfigurenkabinette – Panoptiken, in denen Berühmtheiten der Geschichte, aber auch anatomische Absonderlichkeiten und Gruselgestalten aller Art zur Schau gestellt wurden, lange vor Erfindung des Kinos, geschweige denn der 3-D-Filmtechnik. So hatte das berühmteste von ihnen, Madame Tussauds, bezeichnenderweise seinen Ursprung nicht in der Präsentation berühmter Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart; Marie Tussaud hatte die Köpfe berühmter Opfer der Guillotine während der Französischen Revolution modelliert. Schon hier mischten sich kunstfertige Nachahmung und Nervenkitzel. Von Letzterem ist heute in den Vergnügungseinrichtungen der „Tussauds Group“ kaum mehr etwas zu ahnen – ganz im Unterschied zu Wachsfigurensammlungen an der Universität Tübingen, die jetzt in einer Ausstellung öffentlich zugänglich sind.

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