Archiv der Kategorie: Kunst

Fantasie aus Blech. Die mechanische Tierwelt von Sebastian Köpcke und Volker Weinhold

Mit der industriellen Nutzung von Dampfmaschinen wurde Blech einer der populärsten Metallstoffe, konnten jetzt doch Metallblöcke hauchdünn ausgewalzt und damit in jede gewünschte Form gebracht werden. Davon profitierte nicht zuletzt die Spielzeugindustrie. Die großen Hits bis heute sind Modelleisenbahnen, aber auch Flugzeuge, Kinderküchen und Tiere, zumal wenn sie aufziehbar und somit beweglich waren. Inzwischen sind derlei Spielzeuge vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rare Sammlerstücke, seit der Kunststoff das Blech abgelöst hat. Sammler fotografieren ihre Schätze, um sie zu dokumentieren. Die Berliner Künstler Sebastian Köpcke und Volker Weinhold gingen den umgekehrten Weg: Sie begannen Blechtiere zu sammeln, um sie fotografieren zu können. Es entstand ihre mechanische Tierwelt.

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Zwischen Chaos und Ordnung: Aron Rauschhardts Reutlingenbild

Kunststipendien für Nachwuchskünstler bestehen in der Regel aus – häufig einmaligen – Geldzuwendungen oder zeitweilig zur Verfügung gestellten Atelierräumen. Die HAP Grieshaber Stiftung in Reutlingen kombiniert beides. Seit 1994 lädt sie alle zwei Jahre einen Absolventen einer Hochschule für zehn Monate in eine eigens dafür eingerichtete Atelierwohnung ein mit einer monatlichen Zuwendung von 1.200 Euro. Außerdem hat der Stipendiat Gelegenheit, seine Kunst in einer Ausstellung samt Katalog zu präsentieren – oftmals der erste Katalog in der noch jungen Laufbahn dieser Künstler. Viele der bisherigen Stipendiaten haben sich dabei mit dem Ort ihres Stipendiums auseinandergesetzt – geradezu exzessiv hat das der diesjährige Stipendiat getan, Aron Rauschhardt.

entlaubt, 2018

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Was ist und kann Farbe? Die Bildkunst von Sabrina Haunsperg

Durch Jackson Pollock wurde sie populär – die Malerei, in der sich die Bewegung des Künstlers unmittelbar im Bild niederschlug. Vorbei die Zeit, da Farbe mit dem Pinsel auf die Leinwand aufgetragen wurde, möglicherweise in einem Akt tiefer Reflexion. Spontaneität, Unplanbarkeit, zufällige Bildkomposition sind die Grundzüge dieser Malerei, hinter der gleichwohl auch ein Hauch von Beliebigkeit stecken kann. Wenn man die österreichische Künstlerin Sabrina Haunsperg bei ihrer Malarbeit beobachten könnte, dann wäre die Zuordnung relativ einfach: Actionpainting pur. Eine Ausstellung im Schauwerk Sindelfingen zeigt, dass sich ihre Bilder in der reinen Malaktion keinesfalls erschöpfen.

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Von der Malerei zum Druck: Das Buch im Spätmittelalter

Die Zahlen können einen schwindlig machen. Buchauflagen in Millionenhöhe weltweit sind keine Seltenheit; die Zahl der jährlichen Buchneuerscheinungen ist nicht übersehbar – das Buch ist ein Massenartikel par excellence. Doch war es ursprünglich ein Unikat, teuer, selten – und wohl auch daher mit besonderer Sorgfalt hergestellt. Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt, wie aus der singulären mittelalterlichen Handschrift Schritt für Schritt das moderne Buch entstand, wie wir es kennen.

Niederlande, Ende 15. Jahrhundert, Blatt aus einem Stundenbuch mit der „Beweinung Christi“, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

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Kreative Ordnung: Wenn Künstler „Büroarbeit“ machen

Er zählt zum Inbegriff beruflicher Tristesse – der Büroalltag. Da schreckt das tägliche Einerlei der Bearbeitung des rechten Stapels zum linken, da ist der Staub der Akten, der Zwang zur peniblen Ordnung, die Notwendigkeit, jede Kleinigkeit in Sekundenschnelle wiederzufinden, staubtrockene Materie, klare Linie. All das findet sich auch in einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, und doch kann man dort diesem ach so drögen Thema so manchen Witz abgewinnen, denn gezeigt wird das, was Künstlern von heute zum Büro eingefallen ist.

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Die Welt als Panoptikum: Reinhold Nägele im Kunstmuseum Stuttgart

Es war eine Zeit der großen Umbrüche in der Welt der Kunst. Die Expressionisten drückten ihre innersten Emotionen in kräftigen Farben aus, die Futuristen versuchten, der Geschwindigkeit des modernen Lebens künstlerische Form zu verleihen, die Surrealisten entdeckten die wahre Welt in Traumszenarien, und die Neue Sachlichkeit verzichtete auf unmittelbaren subjektiven Ausdruck. All das findet seinen Nachhall auch im Werk von Reinhold Nägele, der, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart zeigt, dennoch keiner dieser Strömungen zuzuordnen ist.

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Scharfe Präzision: Der Scherenschnitt gestern und heute

Den Anfang soll eine junge Frau im antiken Griechenland gemacht haben. Weil ihr Geliebter in die Ferne ziehen sollte, zog sie die Umrisslinie des Schattens, den sein Gesicht im Lampenschein auf die Wand warf, nach. Der Schattenriss war geboren. Zur Zeit des Klassizismus, in der die Gebildeten sich gern der Antike zuwandten, war diese Anekdote sehr beliebt – und auch die Möglichkeit, Gesichter auf diese Weise naturgetreu fixieren zu können, nur nicht mehr an der Wand, sondern auf Papier: Der Schattenriss wurde zum Scherenschnitt – im 19. Jahrhundert ein populärer Zeitvertreib für junge Damen. Welche Formen diese an sich schlichte Technik annehmen kann, zeigt die Stihl Galerie in Waiblingen: Scharf geschnitten – und zwar früher und heute.

Luise Duttenhofer, Luise Duttenhofer heftet ihrem Mann Flügel an die Fersen, ab 1804. Deutsches Literaturarchiv Marbach

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Die Welt als Bild – Marcus Schwier entdeckt Ravensburg

Entwickelt wurde sie im Koreakrieg – eine Fototechnik, mit der sich Landschaften auch bei geringstem Licht aufnehmen lassen. Diese Infrarotkameras zeigen uns nicht das optische Erscheinungsbild eines Gegenstandes, das uns durch die Lichtwellen zugänglich gemacht wird, sie geben die Wärmestrukturen einer Oberfläche wieder. So kann mit ihnen der Mediziner Entzündungsherde im Körper sichtbar machen, die Feuerwehr verborgene Glutnester aufspüren oder eben das Militär ein Gelände bei absoluter Dunkelheit observieren. Im Rahmen des Projekts „Fremde Blicke“ hat sich der Fotograf Marcus Schwier unter anderem auch mit dieser Technik auf den Weg gemacht, um Ravensburg zu erkunden.

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Licht-Kunst: Roger Aupperle im Forum Kunst, Rottweil

Prometheus hatte den Menschen das Feuer und damit Energie und Licht gebracht, beides aber sahen die Götter als ihr Eigentum an. Den Menschen war eine Existenz im Schattenreich zugewiesen, wie das Höhlengleichnis von Plato nahelegt. Das Resultat: Sie ließen den Missetäter an einen Felsen ketten, und dort kam jeden Tag ein Adler und fraß ihm ein Stück seiner Leber weg, die in der Nacht wieder nachwuchs. Hätte der Rottenburger Künstler in derselben Zeit gelebt, dann hätte er möglicherweise ein ähnliches Schicksal gehabt, denn Aupperle bringt zwar nicht Feuer unter die Menschen, sondern nur Licht, das aber in vielfältiger Form und seit Jahren.

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Ein Leben in der Farbe: Karl Schmidt-Rottluff im Kunstmuseum Ravensburg

Sie wollten die neue Generation ansprechen, die Jugend und die im Akademismus erstarrte Kunst erneuern – die Künstler, die sich unter dem Namen Brücke zusammenschlossen. Das stieß auf Ablehnung, ihre Bilder wurden zum Teil angespuckt, doch letztlich hatten sie damit ihr Ziel erreicht: die Menschen aufzurütteln und zu irritieren, mit kräftigen, „unnatürlichen“ Farben, Motiven, die in der braven Bürgerwelt Anstoß erregen mussten, mit einer freien, spontanen Malweise. Der Name stammte von einem der Gründungsmitglieder, Karl Schmidt-Rottluff, der von seinem Malduktus her ganz ins Programm der Expressionisten passte und doch einen Eigenweg beschritt, wie jetzt eine Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg zeigt.

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